Ermittler fordern Sportschutzgesetz, Politik lehnt ab

Der THW Kiel im Jahr 2011 / Foto: Armin Kübelbeck, CC-Lizenz unter Namensnennung

Der THW Kiel im Jahr 2011 / Foto: Armin Kübelbeck, CC-Lizenz unter Namensnennung

Ich sage das Ergebnis für den Kieler Prozess schon jetzt voraus. Die Staatsanwaltschaft Kiel hat Anklage gegen Ex-Trainer und -Manager von Handball-Rekordmeister THW Kiel erhoben, Kiel soll im Champions-League-Finale 2007 gegen Flensburg die Schiedsrichter bestochen haben, der Prozess läuft und ich prophezeie: Für die vermutete Bestechung wird der Verantwortliche nicht verurteilt – selbst wenn es ihm vor Gericht bewiesen wird. Denn: Korruption im Sport kann nicht bestraft werden. Deutsche Ermittler haben bei der Suche nach Tätern und Opfern deshalb große Schwierigkeiten. Der Sport wehrt sich gegen schärfere Gesetze.

Kiel ist kein Einzelfall, Korruption im Sport ist weit verbreitet. In letzter Zeit hatte ich hier öfter mal drauf hingewiesen. Wettmanipulationen, Schmiergelder für Funktionäre oder Bestechungen bei TV- und Sponsorendeals: Experten gehen trotz der vielen Skandale davon aus, dass höchstens fünf Prozent aller Korruptionsfälle aufgedeckt werden, denn Geber und Nehmer einig, es gibt keinen direkt Betrogenen.

In Deutschland haben es Ermittler besonders schwer, dem Betrug im Sport auf die Schliche zu kommen. Korruption im Sport ist nicht strafbar. „Das Problem ist, dass wir zum Beispiel Telefonüberwachungen nur bei entsprechend schweren Straftaten durchführen dürfen. Die klassische Bestechung eines Amtsträgers würde uns derartige Maßnahmen ermöglichen. Ohne einen Straftatbestand ‚Bestechlichkeit und Bestechung im Sport‘ liegen die Hürden bei Fällen der Spielmanipulation unverhältnismäßig hoch“, sagt mir Sebastian Fiedler vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. Mit Fiedler habe ich am Donnerstag telefoniert, weil mir seine deutliche Stellungnahme pro Sportschutzgesetz am Mittwoch im Sportausschuss zu kurz gekommen ist.

Fiedler sagt weiter: „Bei Wettmanipulationen im Sport ist die eigentliche Bestechungstat nicht strafbar. Leute, die Schiedsrichter bestechen oder die bestochenen Schiedsrichter selbst, können nur über juristische Winkelzüge bestraft werden.“ Auch beim Prozess in Kiel musste sich die Staatsanwaltschaft mit ‚gemeinschaftlichen Betrug‘ aushelfen, konnte nicht direkt gegen die vermutete Korruption ermitteln.

Ein Gesetz gegen Korruption im Sport muss her, findet deshalb der Kriminalbeamte Fiedler. Genau solch ein Gesetz hat vor zwei Jahren die bayrische Justizministerin Beate Merk vorgestellt. Seitdem bekommt sie großen Widerstand von Sportverbänden. Allen voran der Deutsche Olympische Sportbund verweist auf die Autonomie des Sports. Probleme müsse die Sportgerichtsbarkeit selbst lösen, diese sei schneller und flexibler.

Sebastian Fiedler hält das für Unsinn. „Große Sportverbände sind Wirtschaftsunternehmen, die können nicht außerhalb der Rechtsordnung stehen. Eine Hausdurchsuchung oder Telefonüberwachung können die Verbände nicht selbst anordnen.“

Auch Bayerns Justizministerin Beate Merk schrieb mir auf meine Anfrage am Donnerstag: „In vielen Bereichen des Mannschaftssports werden immer mehr Spielmanipulationen bekannt. Das ist eine alarmierende Entwicklung, die den Gesetzgeber zum Handeln zwingt! Die immer neuen Skandale zeigen deutlich, dass die bisherigen Überwachungssysteme der Sportverbände alleine nicht ausreichen. Erst diese Woche hat deshalb auch der UEFA-Präsident Michel Platini in einer Rede vor dem Europarat in Straßburg die europäischen Länder dazu aufgerufen, härtere Gesetze gegen Sportbetrug einzuführen. Leider zeichnet sich aber derzeit auf Bundesebene keine politische Mehrheit ab.“

Der vielen Skandale wegen kommt zwar Bewegung ins Thema, kurzfristig wird aber wohl nicht viel passieren. Am Mittwoch war ich im Bundestag, dort tagte der Sportausschuss zum Thema Sport und Korruption. Auch die Arbeitsgruppe Sport von Transparency International Deutschland und die kritische Sport-Vereinigung Play the Game forderte von den Politikern mittelfristig ein Gesetz gegen Korruption im Sport. Die schwarz-gelbe Koalition ist aber gegen eine Verschärfung, das Innenministerium stellt sich auf die Seite der Sportverbände.

Am Montag erklärt Korruptionsexperte Fiedler in einem Interview in diesem Blog noch einmal genauer, warum er ein Sportschutzgesetz fordert.

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