Sportwoche 05/11: Deutschland bremst den Anti-Doping-Kampf

Thema der Woche: Deutschland bremst den Anti-Doping-Kampf
Die angeblich so vorbildlichen, mit dem ausgestreckten Finger so gern auf andere zeigenden Deutschen – doch nicht so vorbildlich? Grit Hartmann berichtet im Deutschlandfunk, dass auf Deutschlands Initiative hin das Budget der WADA eingefroren wird, statt weiter zu steigen.

WADA-Mitarbeiter präsentierten einen brisanten Brief, datiert vom Juni 2010. Absender: Gerhard Böhm, Chef der Sportabteilung im Bundesinnenministerium. Adressat: der Europarat, wo die europäischen Staaten sich über ihren Jahresbeitrag zum WADA-Haushalt verständigen. Eine Hälfte zahlt das IOC, die andere die Regierungen, wobei der europäische Anteil bei 47,5 Prozent liegt. Die Bundesrepublik gehört zu den größten Zahlern; sie gibt so viel wie Rom, London und Paris, 722.000 US-Dollar im letzten Jahr. Böhm wurde nun mit dem Anliegen vorstellig, die WADA-Zuwendungen – bisher stets leicht geklettert – ab 2011 einzufrieren. (…) Vorab das Resultat des Vorstoßes: Unbemerkt von der Öffentlichkeit einigten sich Europas Regierungen im November darauf, ihre Beiträge in diesem Jahr nur um zwei Prozent aufzustocken – das kleinste Plus seit Gründung der WADA vor elf Jahren. WADA-Generaldirektor David Howman sagt, damit fange man lediglich die Inflation ab.

Das Original des Briefes an den Europarat findet sich im Blog von Jens Weinreich.

Gedopt
Angesichts des Medienwinds hätte man auch den erneuten Tour-Ausstieg von ARD und ZDF zum Thema der Woche machen können – allein: Die Relevanz halte ich für geringer. Mal wieder wollen die Öffentlich-Rechtlichen aus der Tour-Live-Berichterstattung aussteigen. 2012 soll es keine Live-Bilder mehr geben. Das böse D-Wort vermeiden die Verantwortlichen, wie Daniel Bouhs in der taz schreibt. Kommentiert hat auch Christopher Keil von der Süddeutschen Zeitung: Quote oder Haltung? Dazu: Stellungnahmen von der ARD. Sportkoordinator Axel Balkausky und Dopingexperte Hajo Seppelt.

Wer sich weiter mit der deutschen Berichterstattung über die Tour beschäftigen will: Angelika Mikus hat 2009 ihre Diplomarbeit zum Thema geschrieben: „Chancen, Schergen, Scharlatane – Der Sportjournalismus und die Tour de France“.

Kurz dazu meine Meinung: Ich finde den Ausstieg aus der Live-Berichterstattung grundsätzlich richtig, Zusammenfassungen und kritische Hintergrundstücke reichen im Öffentlich-Rechtlichen vollkommen. Als wirksames Zeichen hätte das Live-Ende aber viel früher kommen müssen. Und: Solange weiter völlig unkritisch und stundenlang über Biathlon, Langlauf und Co berichtet wird, ist das Ende des Radsports scheinheilig.

Passend zum Radsport: Ralf Meutgens berichtet für den Deutschlandfunk über den gescheiterten Versuch, CERA-Doper Stefan Schumacher wegen Betruges zu belangen.

Und eine Blog-Empfehlung: „theinnerring“ berichtet aus Frankreich auf englisch extrem fleißig über Radsport. Aktuell über Korruption in der UCI und den Live-Ausstieg der Öffentlich-Rechtlichen.

Und wer sich nochmal über die verqueren Hintergründe im Fall Contador informieren will: Jonathan Sachse hat vergangene Woche live gebloggt.

Die österreichische Sportwoche hat einen illustren runden Tisch zum Thema Doping versammelt, darunter auch Stefan Matschiner. Die ersten drei Beiträge zum „Runden Tisch“ gibt es hier, hier und hier.

Neuigkeiten gibt es auch zum Doping im Breitensport: Die Kleine Zeitung in Österreich berichtet über die Festnahme der Betreiber eines großen Doping-Labors. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis man sich auch in Deutschland Gedanken über die Bekämpfung der breiten Dopingdrogenszene macht? Nachtrag: Am Mittwoch beschäftigt sich übrigens der Sportausschuss des Bundestages mit dem Thema, mal sehen, ob da was bei rumkommt.

Einen Versuch hat das Gesundheitsamt Ludwigsburg mit einem kleinen Präventionsprojekt gestartet, berichtet die Stuttgarter Zeitung. So richtig vielversprechend liest sich das noch nicht.

Und sonst?
Felix Magath hat die Eltern des 17-jährigen Julian Draxler dazu überredet, dass dieser sein Abitur abbricht. Gehts noch, Herr Magath? Die Süddeutsche Zeitung schreibt über verschuldete Profis und den oftmals geplatzten großen Traum. Oliver Fritsch beschreibt passend dazu auf Zeit-Online, dass Bundesliga-Vereine ihre Talente immer früher einsammeln – und kleine Vereine kaum noch Ausbildungsentschädigungen bekommen.

Und ein besonderer Tipp: Jens Weinreich, Thomas Kistner und Jean-Francois Tanda äußern sich im österreichischen Magazin Ballesterer. Das Thema: König Sepp. „Diese FIFA hat die Blattern.“

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