Gedopt nach Hawaii: Warum betrügen Amateur-Triathleten?

Triathlon kann so schön sein: Panorama beim Butzbach-Triathlon, bei dem ich 2009 selbst gestartet bin. Foto: Daniel Drepper

Triathlon kann so schön sein: Panorama beim Butzbach-Triathlon, bei dem ich 2009 selbst gestartet bin. Foto: Daniel Drepper

Kaum Kontrollen, immer neue Fälle: Doping scheint unter Amateur-Triathleten verbreitet zu sein. Wer sind diese Hobbydoper? Und warum tun sie, was sie tun? Für die Zeitschrift triathlon habe ich im Frühjahr ein kleines Themenpaket recherchiert inklusive Interview und einem Text zur Rolle der DTU. Nach den Langdistanz-Rennen in Roth und Frankfurt gibts hier die Texte in voller Länge. Über Diskussionen freue ich mich. (Passend dazu der Report „Das Doping der Straße“)

Als seine Frau ihn verlässt, flüchtet Christian Mörle in den Sport. Mörle mutiert: vom Lauftreff-Jogger zum Triathleten. Er schwimmt, kauft sich ein Rad, steigert den Trainingsumfang auf bis zu 20 Stunden in der Woche. Bis zu dem Tag, an dem er sich die Spritze setzen lässt.

Mörle, dessen richtiger Name hier nichts zur Sache tut, vernachlässigt die Arbeit, ist besessen vom Training. „Mein Ehrgeiz hat sich im Vergleich zu früher, als ich nur entspannt gelaufen bin, verzehnfacht“, sagt er. „Ich habe nur noch gearbeitet, trainiert, geschlafen.“ Nach einigen Monaten absolviert er bei einem regional bekannten Sportwissenschaftler seinen ersten Leistungstest. Das Ergebnis ist mau, Schuld ist wohl auch Übertraining. Zusätzlich zum Trainingsplan bekommt Mörle vom Testleiter eine Telefonnummer zugesteckt. „Er meinte zu mir: Du hast doch einen guten Job, du hast Geld: Wenn du ohne Training besser werden willst, dann ruf hier an.“ Auf dem Zettel: die Nummer eines Doping-Dealers.

Mörle fährt tatsächlich hin – und lässt sich für 100 Euro eine Spritze EPO setzen. Ab jetzt soll er ein Mal pro Woche kommen, sagt sein Dealer. Doch Mörle fährt, so sagt er, nie wieder hin. Stattdessen hört er mit dem Triathlon auf. „Ich war schockiert von mir selbst, habe mich geschämt und mich selbst nicht mehr erkannt.“ Heute geht er wieder zum sonntäglichen Lauftreff, sein Rad hat Mörle seit Monaten nicht mehr angefasst.

Die Hemmschwelle sinkt

Fraglich, ob Mörles Geschichte typisch ist. Es ist nicht einmal sicher, ob sie in vollem Umfang der Wahrheit entspricht. Sicher ist: Es gibt Doping im Amateur-Triathlon. Und die Hinweise mehren sich, dass es weit verbreitet ist. Obwohl es so gut wie keine Kontrollen gibt, sind allein in Deutschland seit 2007 vier Amateur-Triathleten positiv getestet worden. Damit haben in den vergangenen Jahren deutlich mehr Amateure als Profis eine positive Probe abgeliefert.

„Bei so wenigen Kontrollen und so vielen positiven Fällen muss man davon ausgehen, dass die Quote der Doper recht hoch ist“, sagt Klaus Pöttgen, Rennarzt der Ironman-Veranstaltungen in Frankfurt und Wiesbaden. „Die Sportler rechnen nicht damit, kontrolliert werden.“ Und die Hemmschwelle sinkt: von Spritze zu Tablette zu Creme.

Bei Amateuren spielt das eine entscheidende Rolle. Weil Triathlon beliebter wird, mehr Verbreitung findet, gehen viele Athleten nicht mehr für sich oder für das bloße Durchstehen der Distanz an den Start. „Es geht ums Schnellerwerden“, sagt Pöttgen. „Anfällig sind deshalb die, die schon mehrere Jahre Triathlon machen. Die schneller sein wollen als ihr Nachbar, Vorgesetzter oder Trainingskollege.“

Erschreckende Beiläufigkeit

Studien zum Doping im Amateur-Triathlon gibt es keine. Wie verbreitet die illegalen Hilfsmittel sind, kann daher auch in der Szene kaum jemand wirklich sagen. Einige glauben, der Großteil der Dopingfälle sei auf Unwissenheit und fehlende Aufklärung zurückzuführen. Andere sehen zumindest im ambitionierten Bereich ein breites Problem, sind entsetzt über die Beiläufigkeit, mit der offenbar besonders im ambitionierten Bereich gedopt wird.

Relativ harte Zahlen gibt es in Deutschland bislang nur für Besucher von Fitnessstudios. Nach verschiedenen Untersuchungen geht man davon aus, dass sich mehr als zehn Prozent der Studiobesucher dopen. Vor wenigen Wochen ist in Gießen ein hessischer Doping-Großhändler zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Er handelte mehr als acht Jahre lang mit Dopingmitteln, machte im Monat 15.000 Euro Reingewinn. Zwischenhändler waren die Besitzer von Fitnessstudios.

Dem Magazin „Spiegel“ zufolge sollen Käufer dieser Dopingmittel auch Marathonläufer und Triathleten gewesen sein. Dass deren Neigung, die körperlichen Grenzenkünstlich zu verschieben, groß ist, belegen Studien. Als die Uni Erlangen beim Bonn-Marathon 2009 die Läufer nach ihrem Schmerzmittelkonsum fragte, gaben fast zwei Drittel an, vor dem Start Ibuprofen, Diclofenac oder Voltaren geschluckt zu haben. Dass die Zahlen im Triathlon niedriger liegen, ist unwahrscheinlich.

Verband ohne Konzept

Außer bei Ironman- und Challenge-Veranstaltungen gibt es in Deutschland jedoch kaum Doping-Kontrollen im Amateur-Triathlon. Das Thema lässt die Deutsche Triathlon Union offenbar kalt. Die Suche nach einem Ansprechpartner dauert Wochen, erst auf mehrfache Bitte äußert sich schließlich Matthias Zöll, der vor Kurzem neu eingeführte DTU-Geschäftsführer. Doch auch er gibt nur wenig preis.

Die Zahl der Kontrollen bei Amateur-Triathleten will Zöll ebenso wenig verraten wie die getesteten Substanzen. Mehrfach verweist Zöll stattdessen auf die hohen Kosten des Anti-Doping-Kampfs. Auf die Nachfrage, was die DTU darüber hinaus gegen Doping im Amateur-Triathlon tue, gibt er keine konkrete Antwort. Auch zu den eigenen Erkenntnissen über die Verbreitung von Doping unter Amateuren will man bei der DTU nichts sagen. Die Verantwortlichen drücken sich. Da sich auch die Nationale Anti Doping Agentur fast ausschließlich um den Leistungssport kümmert, wird das Problem schlicht nicht thematisiert. Dabei ist der Verband in der Pflicht.

„Wir tun was wir können, aber wir brauchen die DTU, um das Problem in der Breite zu bekämpfen“, sagt Felix Walchshöfer, der unter anderem den berühmten Langdistanz-Wettkampf im fränkischen Roth organisiert. Die aktuelle Situation findet er befremdlich. „Wir zahlen schließlich Abgaben, dann soll sich der Verband auch um den Anti-Doping-Kampf kümmern.“ Derzeit passiert das nicht. Drängende Probleme werden wegen der chaotischen Zustände im deutschen Verband nicht angegangen. Darunter leidet auch der Anti-Doping-Kampf.

Gute Kontakte, viele Ressourcen

Im Gegensatz zur DTU beschäftigt sich Philipp Görgen seit über fünf Jahren mit Doping im Amateur-Triathlon. Görgen, selbst seit einigen Jahren Triathlet, möchte im Rahmen einer bislang noch nicht finanzierten Doktorarbeit der Frage nachgehen, was Amateure zum Doping treibt. Beweisen kann er seine Thesen bislang nicht, doch er hat Einblick in die Szene: „Der typische Doper ist sehr leistungsorientiert und verbissen. Und er hat sehr viel in den Sport investiert, zeitlich wie finanziell.“ Da effektives Doping Unterstützung braucht, betrifft besonders EPO-Doping solche Sportler, die ambitioniert, intelligent und finanziell gut ausgestattet sind. Und die bestenfalls noch Kontakt zu Ärzten, Apothekern oder Krankenschwestern haben.

„Triathleten bringen eine hohe Grundbildung mit, haben gute Kontakte und viele Ressourcen – das macht Triathlon anfällig“, sagt Görgen. Besonders gefährdet seien männliche Triathleten, zwischen 25 und 50 Jahre alt und mit Chancen auf eine Hawaii- Qualifikation. Ähnlich sieht das Challenge-Chef Walchshöfer. „Ich will niemandem etwas unterstellen, aber es könnte sein, dass die Hemmschwelle irgendwann fällt, wenn ein Athlet fünf oder sechs Mal die Hawaii-Qualifikation verpasst hat.“ Bei Frauen, hat Görgen festgestellt, ist die Hemmschwelle etwas höher.

Gefährliche Rechnung

Im Triathlon gelten Profis als nahbares, reales Vorbild. Amateursportler können sich mit deren Training und Leben leichter identifizieren als in anderen Sportarten – und wollen nicht selten genauso sein.

Triathleten sind häufig extremer als zum Beispiel Marathonläufer, das Training ist härter und aufwendiger. Seit Triathlon Volkssport ist, reicht es nicht mehr, eine Langdistanz einfach nur zu beenden. „Da wirst du im Büro ja nur noch müde angelächelt“, sagt Görgen. „Es muss schon eine Zeit unter zehn Stunden sein.“

Görgen glaubt, dass diese Leistungsfixierung irgendwann zu einer Kosten-Nutzen-Rechnung führt. Weil intelligente Doper sich so gut wie keinem Risiko aussetzen, erwischt zu werden, ist die Hemmschwelle bei manchen nicht mehr hoch genug. Viele Triathleten identifizieren sich sehr stark mit ihrem Sport. Auch wenn es kaum einer zugeben dürfte, ist manchem die Zeit beim nächsten Ironman insgeheim wohl wichtiger als Job und Familie.

Triathleten sehen sich selbst oft in erster Linie als Sportler, schaffen sich ihre Identität über Erfolg im Wettkampf. Dann verwischen bei manchem die Grenzen auf dem Weg nach Hawaii.

„Schlauheit schützt vor Doping nicht“

Jens Kleinert, Professor für Sozialpsychologie an der Deutschen Sporthochschule Köln, forscht seit Jahren daran, was Sportler dazu verleitet zu dopen. Er beobachtet, dass für immer mehr Athleten der Sport zum zentralen Lebensinhalt wird.

Professor Jens Kleinert. Foto: privat

Professor Jens Kleinert. Foto: privat

Herr Kleinert, ist Doping ein psychologisches Problem?
Um genau zu sein, ein sozialpsychologisches. Es geht darum, wie wir uns selbst sehen in Bezug auf unsere soziale Gruppe, zur Konkurrenz, zu unserer Mannschaft. Wenn ich mich zum Dopen entscheide, mache ich das, um zu gewinnen. Ohne andere Sportler macht das aber keinen Sinn.

Gewinnen wollen Profis, aber auch Amateure. Wo ist der Unterschied in der Dopingmotivation?
Die Unterschiede haben sich verwischt. Für den Profi ist Sporttreiben sehr häufig der zentrale Lebensinhalt. Damit hat er sich früher stark von Hobbysportlern unterschieden, die Sport trieben, um fit zu bleiben, um sich wohl zu fühlen. Heute finden wir aber immer mehr Freizeitsportler, bei denen sich ebenfalls alles um den Sport dreht. Dann geht es nicht um finanzielle Vorteile, sondern um die Wertigkeit des Sports: Was bedeutet mir gewinnen? Das kann im Freizeitsport genauso ausgeprägt sein wie im Hochleistungssport. Dadurch ist eine vermehrte Tendenz zum Dopen im Breitensport zu beobachten.

Im Triathlon ist der Aufwand vieler Freizeitathleten enorm hoch. Sind Amateur-Triathleten dopinganfälliger als andere Breitensportler?
Ganz sicher hat es damit zu tun, wie viel Zeit und Geld ich in meinen Sport investiere. Aber dabei kommt es nicht auf die Sportart an. Die Gefahr ist besonders groß bei extrinsisch motivierten Menschen, für die nicht der Sport, sondern seine Konsequenzen wichtig sind. Zum Beispiel Platzierungen oder soziales Prestige. Dies ist bei Menschen, die sehr viel Zeit investieren, besonders häufig der Fall. Wenn ich sehr viel Zeit investiere, dann fängt eine Kosten-Nutzen-Kalkulation an: Wenn ich schon so viel mache, dann will ich damit auch etwas erreichen. Wenn Sie aber einen Triathleten interviewen, der intrinsisch motiviert ist, dann trainiert der, um zu trainieren. Weil er das genießt. Sportler, die intrinsisch motiviert sind, sind wesentlich weniger gefährdet zu dopen – auch Profis.

Können Sie den Unterschied quantifizieren?
Wir werten derzeit die Datensätze einer Untersuchung aus, genaue Zahlen kann ich noch nicht nennen. Meine Überlegungen stammen aus Untersuchungen außerhalb des Sports, in denen sich Hinweise zeigen, dass extrinsisch motivierte Menschen eher zum Betrügen neigen.

Haben Sie Erkenntnisse zu Triathleten?
Wir haben mit Leichtathleten, Schwimmern, Radfahrern und Mannschaftssportlern gearbeitet. Interessant war, dass es keine Unterschiede in der Dopingmotivation gab. Nicht die äußere Einbindung von Sporttreibenden – also Mannschafts- oder Individualsport – ist wichtig, sondern wie ich das Sporttreiben für mich definiere. Ich kann mich als Fußballer auch als Individualsportler und als Triathlet als Teil meines Triathlon-Teams sehen. Die äußere Etikette hat weniger Einfluss als die subjektive Dimension: Sehe ich mich als individueller Leister oder sehe ich mich als Teamleister?

Profi-Triathleten sind häufig nahbar, gelten als Vorbilder. Ist die Annäherung an die Profis im Triathlon größer als in anderen Sportarten?

Das ist nicht empirisch belegt, aber ich könnte mir das vorstellen. Wenn ich mich als Teil der Triathleten-Gruppe sehe, mich mit den Profis identifiziere, ähnliche Umfänge trainiere oder mir ähnlich hohe Ziele setze – und dann bekomme ich mit, dass die Profis dopen. Dann könnte es sein, dass auch der Freizeittriathlet eher zu Dopingmitteln greift. Wenn ich durch meinen Sport eine bestimmte Identität ausdrücken will, dann ist das etwas Extrinsisches. Es geht um Effekte, die ich durch den Sport auslösen möchte. Das erhöht die Gefahr, dass ich alles tue, um so zu wirken, wie ich wirken möchte.

Beeinflusst die Intelligenz eines Sportlers seine Dopingmotivation?

Schlauheit schützt vor Doping nicht. Intelligenz führt aber weder zu mehr, noch zu weniger Doping. Viel wichtiger ist, wie stark ein Athlet sein Tun reflektiert. Wenn die Intelligenz dazu führt, dass ich über den Sinn des Sporttreibens für mich selbst nachdenke, dann kann es dazu führen, dass ich nicht dope. Wenn ich dope, habe ich keine Chance, meine eigenen Grenzen zu erkennen. Der Faktor der Selbstreflexion ist bei der Dopingmotivation ganz entscheidend.

Können Kontrollen abschrecken?
Wenn ich das Gefühl habe, ich kann erwischt werden, hat das einen hohen Einfluss auf mein kurzfristiges Verhalten. Allerdings hat es keinen nachhaltigen Effekt, es beeinflusst nicht meine Einstellungen oder meine Grundmotivation. Jeallgemeiner und pauschaler die Strafdrohung wird, umso weniger stark wirkt sie. Wenn man schon Strafen in Aussicht stellt, sollte man diese immer koppeln an bestimmte Wettkampfereignisse.

Verband erfüllt nur die Mindestpflicht

Doping-Kontrollen im Amateur-Triathlon und die Rolle der DTU

Nur bei den wenigsten Wettkämpfen laufen deutsche Amateur-Triathleten Gefahr, kontrolliert zu werden. Die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) testet fast ausschließlich Profisportler. Nur bei den Ironman-Rennen in Frankfurt, Regensburg und Wiesbaden führt sie in Zusammenarbeit mit dem Veranstalter Kontrollen durch.

In Wiesbaden und Frankfurt gab es in den Jahren 2009 und 2010 jeweils 20 frei ausgeloste Blut-Screenings vor dem Wettkampf. Ergeben sich auffällige Werte, werden zusätzlich Urinproben als sogenannte Zielkontrollen genommen. Häufig sind die Dopingsubstanzen jedoch gar nicht mehr nachweisbar, obwohl die Werte im Blut Auffälligkeiten zeigen. Die Athleten dürfen somit starten und kommen ungestraft davon. Im Anschluss an den Wettkampf gibt es in Wiesbaden sechs und in Frankfurt zehn Urinkontrollen – gezielt bei den schnellsten Athleten der leistungsstärksten Altersklassen.

In Regensburg ließ der Veranstalter, die World Triathlon Corporation (WTC), im Jahr 2010 genau 15 Blut-Screenings machen, bei denen es wegen auffälliger Blutwerte zwei Nachkontrollen gab. Dopingsubstanzen konnten jedoch nicht mehr nachgewiesen werden. Im Jahr 2009 gab es in Wiesbaden einen positiven Befund, der mit einer öffentlichen Verwarnung endete. Der Athlet hatte offenbar keine Ausnahmegenehmigung für sein Asthmamittel vorgelegt.

2010 waren in Wiesbaden zwei Athleten auffällig geworden. Gegen einen verhängte die Deutsche Triathlon Union (DTU) im Frühjahr eine zweijährige Sperre, gegen den anderen läuft offenbar noch ein Verfahren. Der vierte Fall liegt schon vier Jahre zurück: 2007 wurde ein ambitionierter Amateur in Roth positiv auf ein Steroid getestet.

Bei der Challenge Roth finden bereits seit 2002 jedes Jahr im Ziel zehn Urinkontrollen statt, die Veranstalter Felix Walchshöfer zwar ohne die offizielle Begleitung der NADA, aber strikt nach deren Regeln durchführt. Bei der Challenge werden die Athleten frei ausgelost, sodass zuletzt beispielsweise auch eine 66-jährige Französin getestet wurde.

Die DTU erfüllt lediglich ihre Mindestpflicht und kontrolliert nach Angaben von Geschäftsführer Matthias Zöll „bei sämtlichen Deutschen Meisterschaften, bei denen der Verband selbst Veranstalter ist“. Dort werden zumeist die drei Erstplatzierten, dazu einige wenige ausgeloste Athleten kontrolliert. Zudem, so Zöll, hätten „Veranstalter die Möglichkeit, über uns Kontrollen in Auftrag zu geben, was jedoch nur auf deren Wunsch passiert“. Angeblich sind in den vergangenen Jahren im Schnitt jeweils bei sechs bis acht von Landesverbänden ausgerichteten Veranstaltungen Kontrollen durchgeführt worden.

14 Responses to Gedopt nach Hawaii: Warum betrügen Amateur-Triathleten?

  1. Jörg sagt: Antworten

    Artikel gefällt mir. War selber mal „intrinsisch“ motivierter Vieltrainierer (in den Anfangsjahren des Triathlon in Deutschland). Was mir inzwischen auffällt: 1. Der durch Hobbyathleten betrieben zeitliche und finanzielle Aufwand ist extrem hoch (es wird nicht viele Sportarten geben, wo das so extrem ist).
    2. Der Anteil etrinsisch motivierter Hobbyathleten (möglicherweise sogar narzistisch motiviert) dürfte bei kaum einer anderen Sportart so hoch sein, wie im Triathlon (man muss sich nur mal eine Triathlonmesse bei einem der großen Events anschauen und die Teilnehmer). Das Motto scheint für viele zu sein: Individuell, attraktiv, schnell und extrem leistungsfähg muss man sein und das muss man auch zeigen. Allen, immer.
    3. Die Zeiten im Hobbybereich explodieren geradezu.

    Das Alles leg für mich den Verdacht nahe, dass oft nachgeholfen wird. Mir persönlich vergeht dabei auch die Lust am organisierten Ausdauersport. Quäle mich daher inzwischen lieber allein auf dem Rad, in den Bergen etc..
    Dass der organisierte Sport selber offensichtlich nichts ändern kann und/oder will ist nichts Neues und betrifft alle Sportarten.

    • Hi Jörg. Schöne Beobachtungen. Punkt 3 ist denke ich eine Mischung aus den Punkten 1 und 2, immer mehr Startern und vermutlich einem Teil auch Doping. Ich starte vor allem auf kürzeren Distanzen (Sprinttriathlon) oder bei Straßenläufen (5, 10, 21) – da sind Trainingsaufwand und Leistungen nicht so extrem.

  2. Pingback: Doping im Triathlon: Seminar der DTU Anfang Oktober | Daniel Drepper

  3. Carsten sagt: Antworten

    …bin erst jetzt dazu gekommen dem Link (Doping im Triathlon: Seminar der DTU Anfang Oktober) zu folgen, man sollte hier auch noch betonen das die genannten und positiv getesteten Spitzenathleten (wie es auch im Radsport üblich ist) heute sehr erfolgreich als Geschäftsleute und im Coaching tätig sind . Dies, und das ist sicher in der Berufswelt fast einzigartig, natürlich ohne jede Qualifikation (was zum Teil auch explizit betont wird), sie geben einfach ihre „Erfahrung“ weiter.
    Es gilt also allgemein im Ausdauersport, besonders negative Auswirkungen eines Fehltrittes sind in keinster Weise zu befürchten, eher scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Da wird dann auch schon mal offen gesagt das man jede wissenschaftliche Form der Trainingsbetreuung, welche ja neben dem Erfolg auch der Gesundheit des Sportlers dient, ablehnt – man kann es ja wohl auch nicht leisten. Dafür nimmt man Preise für das Coaching die jedem Professor und renommierten und ausgebildeteten Trainer erblassen lassen würden.

    Dies geschieht aber meiner Meinung nach immer mit der Inkaufnahme des gesundheitlichen Risikos für die Sportler…

    • Hi Carsten. Hatte heut Mittag schon mal geantwortet, allerdings im Zug – das wurd wohl nicht übertragen. Ich sehe das ebenfalls sehr problematisch. Thematisiert wird der Übergang von Ex-Profis in die Betreuung bislang ja fast ausschließlich im Radsport. Das sollte auch in anderen Sportarten stärker im Fokus stehen. Besonders wenn es Beispiele gibt für konkrete Fälle, bei denen belastete Ex-Profis später Athleten betreuen. Ein krasses Beispiel fand ich den Athleten, der mir erzählt hat, dass er das Epo von seinem Leistungsdiagnostiker empfohlen, fast aufgedrängt bekommen hatte.

  4. Hi Carsten. Hatte heut Mittag schon mal geantwortet, allerdings im Zug – das wurd wohl nicht übertragen. Ich sehe das ebenfalls sehr problematisch. Thematisiert wird der Übergang von Ex-Profis in die Betreuung bislang ja fast ausschließlich im Radsport. Das sollte auch in anderen Sportarten stärker im Fokus stehen. Besonders wenn es Beispiele gibt für konkrete Fälle, bei denen belastete Ex-Profis später Athleten betreuen.

  5. Pingback: Contador des Dopings überführt - 2 Jahre Sperre. Und jetzt? | kummerani

  6. Nicole Schnaß sagt: Antworten

    Dass die Zeiten auch im Amateurbereich im Triathlon purzeln liegt bestimmt nicht darin das alle Sportler Dopingmittel konsumieren, sondern dass die Leute die gutes Geld verdienen sich ein Personal- Coaching leisten können. Durch den gezielten Einsatz von wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden in Feldtests im Trainingslager oder unter Laborbedingungen bei Leistungsdiagnostiken können die Athleten immer effizienter ihr Training steuern. Was zum Beispiel früher nur den absoluten Top- Athleten und Profisportlern möglich war (Training in Höhenkammern auf Normal Null) wird heutzutage von kommerziellen Anbietern betrieben.

    Damit auch im Amateurbereich die Abschreckung, ein Doping Präparat zu nehmen stark ansteigt wäre in erster Linie die Politik gefordert. Ohne eine Gesetzeslage die den Handel und die Konsumierung von Dopingmitteln, wie den Handel und den Besitz von harten Drogen verfolgt und ahndet, nützen die besten Testverfahren nichts.

  7. Warum trägt der Artikel die Überschrift: „Gedopt nach Hawaii“? Meines Wissens nach geben die ohnehin spärlichen Fakten zum Doping von Amateurtriathleten keinen Anlass zu der Vermutung, dass das Doping der Amateure in einer Verbindung mit Hawaii-Ambitionen steht. Ich fürchte, hier baut sich ein moderner Mythos auf.

    Im Artikel werden 4 gedopte Amateure in den letzten Jahren genannt. Einer davon wurde in Roth erwischt und war demnach nicht auf dem Weg nach Hawaii. Der im Jahr 2010 in Wiesbaden mit Epo erwischte Athlet war bei weitem zu langsam, um auch nur in die Nähe eines Hawaii-Slots zu kommen, außerdem startete er auf der Mitteldistanz. Bei den anderen Fällen wissen wir nicht, ob sie einen Dopingfall im engeren Sinne, also einer beabsichtigten Leistungssteigerung durch verbotene Substanzen, darstellen. Da sie auf der Mitteldistanz erwischt wurden, ist fraglich, ob ein Zusammenhang mit einer Hawaii-Quali bestehen kann.

    Ich frage mich deshalb, warum die Hawaii-Aspiranten in den Verdacht geraten sind, mehr andere zu dopen? Die Fakten geben das meiner Ansicht nach nicht her.

    Schöner Blog, Daniel, vielen Dank dafür!
    Arne

  8. Schöner Artikel. Meiner Meinung nach ist das jedoch mittlerweile schon eher ein gesellschaftliches Problem. „Du musst immer gewinnen oder zumindest besser sein als deine Vergleichsgruppe“ – das wird nicht nur den Kindern in der Schule beigebracht sondern setzt sich in Ausbildung, Studium und Beruf in verschärfter Form fort. „Streng dich an, damit was aus dir wird!“ – wenn Anstrengen dann nicht mehr ausreicht, ist der Schritt zum Doping nicht mehr weit. Erfolgreich ist heute nicht mehr, wer einen Triathlon finished, sondern nur noch der Gewinner – selbst der Zweite ist der erste Verlierer. Im Profisport mag die Leistungsdenke zu den richtigen Konsequenzen führen, im Breitensport tut sie es (anscheinend) oft / zu oft nicht.

    Das Problem an der beschriebenen Wurzel zu packen ist natürlich nahezu unmöglich – wäre aber dennoch wünschenswert.

  9. Andreas sagt: Antworten

    Ich als Teilnehmer am Ironman Hawaii 2000 habe mich über meinen Zimmernachbar/Hannes Tours über seine Pillengefäß gewundert.
    Doping?Die Teilnehmerpfeife UDO BÖLTZ wurde auch nachträglich überführt.Es finden keine Kontrollen im Amateurtriathlon statt.
    Meine Frage an den Herr Wallchshöfer beim Zieleinlauf auf den ersten 5% der Finisher beim Walchsee wo ist die Dopingkontrolle!
    Keine Antwort!
    Norsemanfinisher 2009

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