Doping im Fußball: Alle drei Jahre eine Kontrolle

Doping hilft auch im Fußball. Umso erstaunlicher, dass das Kontrollsystem Lücken hat. Ausdauerdoping wird im Fußball kaum überwacht, effektiv kontrolliert werden nur Nationalspieler.

„Ich sage mit Überzeugung, dass im Fußball nicht gedopt wird“, hatte mir Jürgen Klopp vor knapp drei Jahren in einem Interview für Zeit-Online gesagt. Das ist natürlich Quatsch.

Skandale wie das Teamdoping bei Juventus Turin in den 90er Jahren oder die Aussagen von Eufemiano Fuentes zu seinen Engagements in Spanien widerlegen Klopp.

Warum Doping auch im Fußball Sinn macht, hat Dopingexperte Perikles Simon zuletzt in einem Radiofeature der ARD erklärt. Dopen sich Fußballer mit EPO, steigt die Ausdauer um bis zu 15 Prozent. Umgerechnet ist das nicht weniger, als wenn ein Feldspieler mehr auf dem Platz steht. „Das heißt, da spielen jetzt auf einmal zwölf gegen elf“, sagt Simon.

Grund genug, sich einmal mehr die Kontrollen in der Fußball-Bundesliga genauer anzusehen.

1659 Kontrollen für 5000 Spieler
Der DFB kontrolliert seine Spieler direkt nach den Spielen. In der vergangenen Saison nahm er genau 1659 Urinkontrollen. Hört sich viel an, doch der Kreis der Getesteten ist groß.

Der DFB testet in: Erster, zweiter und dritter Bundesliga, allen drei Regionalligen, der Frauen-Bundesliga, je drei Junioren-Bundesligen für A- und B-Jugendliche und im DFB-Pokal. Also in 13 Spielklassen, bei geschätzt gut 5000 Spielern. Im Durchschnitt wird jeder Spieler so nur alle drei Jahre nach einem Spiel getestet. Natürlich gilt: Je stärker die Liga, desto mehr Kontrollen.

Weil viele Dopingmittel am besten in der Trainingsphase wirken, sind unangekündigte Kontrollen in Training und Vorbereitung effektiver. Diese Kontrollen übernimmt die Nationale-Anti-Doping-Agentur NADA für den DFB. 121 Mal hat sie die 50 Männer- und Frauennationalspieler in der vergangenen Saison im Training kontrolliert.

Die etwa 1150 übrigen Spieler der ersten beiden Bundesligen bekamen im Training 379 Mal von der NADA Besuch. Jeder dieser Profis wird also auch im Training durchschnittlich alle drei Jahre kontrolliert. Für Profis unterhalb der zweiten Liga gibt es überhaupt keine Trainingskontrollen.

Kader-Athleten in der Leichtathletik, beim Rudern oder im Kanu-Verband müssen persönlich bei der Nada melden, wo sie sich jeden Tag befinden. Allein bei den Leichtathleten betrifft diese Meldepflicht über 500 Athleten. Im Fußball machen das nur die 50 Nationalspieler. Alle anderen Spieler haben keine persönlichen Meldepflichten. Für sie meldet lediglich ein Betreuer, häufig der Vereinsarzt, jede Woche die offiziellen Trainings- oder Reha-Zeiten. Das nennt sich Mannschafts-Whereabouts.

Fast nur Kontrollen im Mannschaftstraining
Kommt ein Athlet nicht zum Training, gibt er durch, wo er stattdessen unterwegs ist. Außerhalb dieser festen Termine werden die Profis mit Ausnahme der Nationalspieler nach Angaben der NADA nicht behelligt.

Die viel zitierte Einstundenregel, bei der aus Nada-Sicht besonders gefährdete Sportler eine Stunde am Tag auf Abruf für Kontrollen bereit stehen müssen, muss in Deutschland kein einziger Fußballer erfüllen.

Nationalspieler werden vor großen Turnieren zusätzlich von der FIFA kontrolliert, fast ausschließlich im offiziellen Mannschaftstraining. Außerdem testet die Uefa bei international aktiven Vereinen im Training.

Wie wertvoll die Kontrollen sind, ist zweifelhaft. Denn: Es gibt ausschließlich Urinkontrollen. Weder im Wettkampf, noch im Training wird bei DFB- und NADA-Kontrollen eine Blutprobe genommen. Das heißt: Mittel wie das Wachstumshormon können überhaupt nicht nachgewiesen werden. Wachstumshormon ist angeblich schon seit Ende der Achtziger Jahre im deutschen Sport verbreitet. Athleten berichten, das Hormon lasse Fett schmelzen wie Butter in der Sonne und sei gut für den Muskelaufbau. Fußballer können sich ohne Gefahr mit Wachstumshormon dopen.

Ungestörtes Ausdauerdoping
Quasi ungestört können Fußballer auch ihre Ausdauer dopen. Nicht entdeckt wird Blutdoping mit Eigen- oder Fremdblut. Mehrere Berichte legen nahe, dass es das im Fußball schon gegeben hat. Auch einige Formen des Blutdopingmittels EPO sind ohne Blutproben nicht nachweisbar, zum Beispiel das in Wintersport und Tour de France eingesetzte CERA. Ebenfalls unentdeckt bleiben würde im Fußball der Einsatz von künstlichen Sauerstoffträgern, HBOC genannt.

Bleiben die Urinkontrollen. Der DFB teilt mit, die Wettkampfkontrollen würden auf alle Substanzen untersucht, die im Urin nachweisbar sind; relativ viele auch auf die im Urin nachweisbaren Formen von EPO. Eine Liste mit getesteten Substanzen wollten aber weder DFB noch NADA veröffentlichen.

Trotz der vermeintlich vielen Test: Intelligente Fußballer könnten spritzen und schlucken, ohne eine positive Probe fürchten zu müssen. Das Spiel wird seit Jahren schneller, die Laufleistung der Spieler höher. Wie sieht es mit den Kontrollen tatsächlich aus? Eine Nachfrage bei den Bundesligisten ergibt, dass beispielsweise die Spieler in Schalke und Nürnberg ungefähr nach jedem zweiten Spiel vom DFB getestet wurden. Trainingskontrollen gab es nach Angaben der Vereine seit dem Sommer auf Schalke drei und in Nürnberg sieben.

Keine Kontrollen im Trainingslager
Besonders rar scheinen Kontrollen in der Vorbereitung zu sein. Sowohl Schalke als auch Nürnberg und Kaiserslautern schreiben, in den vergangenen Jahren kein einziges Mal in einem Trainingslager kontrolliert worden zu sein.

Obwohl im Trainingslager die körperlichen Grundlagen für die Saison gelegt werden und Doping besonders in Sommer- und Winterpause Sinn ergeben würde, offenbaren sich dort die größten Lücken. Findet kein Mannschaftstraining statt, gibt es für Nicht-Nationalspieler auch daheim in Deutschland keinerlei Kontrollen. Wer sich individuell fit machen will, dem sind keine Grenzen gesetzt.

Ein Thema ist Doping im Fußball dennoch sehr selten. Der Pressesprecher des DFB, Ralf Köttker, schreibt zum Thema auf Anfrage: „Angesichts des sportartspezifischen Gefahrenpotenzials scheint die aktuelle Regelung angemessen.“

Dieser Text ist in ähnlicher Form bisher auch bei Zeit-Online und im Recherche-Blog der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung erschienen. Wer Interesse an einer Veröffentlichung hat, kann sich gerne melden.

Ich recherchiere weiter zu Doping im Fußball. Wer Tipps hat oder einfach Interesse am Thema: Neuigkeiten gibt es bei Twitter und Facebook.

Meine bisherigen Texte zum Doping im Fußball finden sich hier im Blog unter dem Stichwort fussballdoping.

Kontakt: daniel.drepper@gmail.com // 0176 611 96 014

4 Responses to Doping im Fußball: Alle drei Jahre eine Kontrolle

  1. Eine einfache Umfrage reicht, um die großen Lücken im Fußball-Doping-Kontrollsystem in Deutschland zu entlarven. Und weitermachen Daniel. Du stellst die richtigen Fragen!

  2. Pingback: Texte, die weiterhelfen | sportinsider

  3. PFSA sagt: Antworten

    Als registrierter Sportverband sind wir sehr froh für diese Hinweise .. so dass Kinder/Jugendliche wissen .. das was sie im Fernsehen /Internet sehen wohl oft gelogen ist und damit ihre eigene Leistung besser einschätzen können. Wir weisen internationale Kinder/Jugendliche darauf hin .. dass es auch DOPING im Fussball gibt und dies nicht dem FIFA FAIR PLAY und der Menschenwürde entspricht !!!! Ein ZENEDINE ZIDANE als Vorbild ( nach dem Motto ALLES OHNE DOPING.. dies könnt ihr auch schaffen ) ? .. Hoffe es wird noch wahre Sportler geben die SEHR GUTE LEISTUNGEN ohne Doping erzielen und JUNGE MENSCHEN auch EHRLICH entgegentreten können, so dass diese Sportler ein VORBILD tatsächlich ohne Doping bekommen!!!!
    Ein ehemaliger LEISTUNGSSPORTLER sagte uns . „FRUSTRIEREND ( obwohl ich gute Leistungen brachte ) gegen die DOPINGSÜNDER anzukämpfen“. DOPING ist betrug an Menschen /Fans. Es wird so getan als wären Leistungen über „normales“ Training entstanden . Wie sehr werden JUGENDFUSSBALLER enttäuscht wenn Sie merken sie können nicht mithalten und wissen NICHT WARUM !!!! ( sie erkennen nich das ANDERE Mitmenschen betrügen und ihre Leistungen durch Doping manipulierten )… SEHR GUT HERR DREPPER .. dass sie darüber berichten !!!!!!!!!!! WEITER so.. auch in BEZUG zu der SCHMERZMITTELLÜGE ( oft werden SCHMERZMITTEL zur LEISTUNGSSTEIGERUNG verwendet ( siehe ZEIT-ONLINE Recherche )

  4. Pingback: Infos zu Doping im Fußball | Daniel Drepper

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