Sportwoche 11/11: Bin Hammam, Simon gegen Digel

Thema der Woche: Bin Hammam ist Gegenkandidat
Wenn ich schonmal aktuell sein kann: Mohammed Bin Hammam kandidiert gegen Joseph Sepp Blatter. „Die Zeit sei reif für einen Wechsel, die FIFA brauche Veränderung“, schreibt die dpa. Mal sehen, ob Blatter diesen Angriff erneut abwehren kann. Wer dem vielleicht bald neuem FIFA-Präsidenten auf Twitter folgen will: @Bin_Hammam.

Gedopt
Weil er mehr Aufmerksamkeit verdient und sich eine interessante Diskussion entspinnen könnte, will ich hier auf Kommentare von Perikles Simon in Jens Weinreichs Blog verweisen. Simon hat Anfang der Woche gegen Helmut Digel zurückgeschossen (Kommentar 13), der ihn und andere Dopingforscher in einem Gastbeitrag für die Stuttgarter Nachrichten vor gut einem Monat kritisiert hatte, unter anderem wegen Eitelkeiten. Simon schreibt, Herr Digel solle sich „bitte weiter um das kümmern kann, was ihn interessiert und zu interessieren hat – nämlich die Einschaltquote für Leichtathletikveranstaltungen. Dafür wird er ja schließlich von der IAAF entlohnt, oder soll ich besser „überkompensiert“ sagen?“ Digel setze sich dafür ein, den Anti-Doping-Kampf zurück in den Mutterschoß des Sports zu führen, statt tatsächlich etwas gegen Doping zu tun. Für fehlende Kommunikation könne Digel zudem nicht andere verantwortlich machen, wenn er selbst nicht kommuniziere.

„Vor ein paar Jahren habe ich ihn z.B. gefragt, warum der DLV plötzlich die Deadline für die Qualifikation für ein Großereignis über eine Normerfüllung sehr kurzfristig noch verlängert hat, damit die Athleten ausgerechnet nur noch in Belgien bei einem Wettkampf die Normen erfüllen konnten, über den in Athleten Kreisen bekannt war, dass dort keine Dopingkontrollen stattfinden würden. Auf solche Fragen kennt ein Digel keine Antworten.“

Die Ausführungen sind spitz geschrieben, empfehlenswert. Noch schöner wäre es, wenn sich weitere Anti-Doping-Protagonisten zu Wort melden.

Fabian Cancellara erklärt in der NZZ, dass er nicht dopt, gibt aber zu, dass er regelmäßig Aspirin, Koffein und Voltaren nimmt. Ist das jetzt schon Transparenz oder doch nur eine neue Taktik, glaubwürdiger zu lügen? Grenzwertig finde ich, dass das Buch „Fabian Cancellaras Welt“ (144 Seiten, happige 32 Euro) im NZZ-Buchverlag erscheint. Geschrieben hat es Benjamin Steffen, Sportredakteur und Tour-Reporter der NZZ. Das sind ja fast schon Ullrichsche Verhältnisse.

Dopingkontrollen mangelhaft? Hajo Seppelt und Robert Kempe decken in ihrem Sport Inside-Film auf, dass die allermeisten Kontrollen gar nicht auf Epo oder Wachstumshormon untersucht werden. Dass Claudia Pechsteins entscheidende Probe in Hamar 2009 nicht auf Epo getestet wurde, wird bei Jens Weinreich diskutiert. Ich finde den Rest des Films viel spannender. Dass im Biathlon bei weniger als ein Prozent der Proben HGH-Tests gemacht werden, weil HGH im Biathlon ja angeblich nichts bringe, ist lächerlich.

In London findet derzeit die sehr prominent besetzte Konferenz „tackling doping in sports“ statt. Forderungen unter anderem: Unabhängigere Anti-Doping-Agenturen und mehr polizeiliche Ermittlungen. Der Deutschlandfunk mit einem ersten Bericht (bisland nur als Audio).

Und sonst?
In Garmisch gibt es zwei Bürgerbegehren. Sowohl die Pro-, als auch die Contra-München-2018-Fraktion haben ihre Unterschriften eingereicht, beide liegen bei etwa 2400 Unterstützern, wie der Münchner Merkur schreibt. In der Bevölkerung scheint die Unterstützung derweil deutlich niedriger zu sein, als die Bewerbungsgesellschaft bislang angibt, schreibt die dpa. Statt von einer Dreiviertelmehrheit ist in einer IOC-Umfrage nur von 61 Prozent Zustimmung die Rede. Südkoreas Bürger sind dagegen zu 93 Prozent für Winter-Olympia im eigenen Land. Außerdem fehlen wohl noch einige Millionen Euro im Bewerber-Budget – die Lücke muss wohl mit Steuergeld geschlossen werden. Und das, obwohl schon reichlich öffentliches Geld in die Bewerbung geflossen ist.

Der Hannover-Tatort mit Maria Furtwängler nimmt sich am Sonntag des Themas homosexueller Fußball-Profis an. Ich werd es mir ansehen, auch wenn mir eine lange, gute Dokumentation zum Thema vermutlich lieber wäre, wie „huhi“ in den Kommentaren von Zeit-Online ebenfalls anmerkt.

Mit Dank an Jonathan Sachse.

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