Daniel Drepper

“Aus Kreisen”: Transparenz für eine lange Recherche

Dokumente sind die beste Basis für harte Texte / Rainer Sturm; pixelio.de

Dokumente sind die beste Basis für harte Texte / Rainer Sturm; pixelio.de

“Aus Kreisen verlautete” – geht meiner Meinung nach gar nicht. Weil viel journalistischer Müll auf dem Markt ist, schwindet das Vertrauen in mich und meine Kollegen. Ein Mittel dagegen: Recherchen erklären.

Schon im Text selbst sollte möglichst präzise stehen, wo ich Informationen her habe und welche Lücken der Text hat. Ohne Recherche und Quellen zu gefährden, sollten Autoren an die Transparenzgrenze gehen. Journalisten sollten meiner Meinung nach nicht nur Dokumente veröffentlichen, sondern auch Hindernisse, Arbeitsweisen, Zwänge dokumentieren. In Zeitungen ist oft wenig Platz, warum also nicht online ergänzen?

In der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung steht heute eine ganze Seite über den Chef des Klavierfestivals Ruhr, Franz Xaver Ohnesorg. Das Klavierfestival soll kultureller Leuchtturm für das Ruhrgebiet sein. In den vergangenen Jahren hat es jedoch einige große Sponsoren verloren. Einige Sponsoren haben das Gefühl, in eine Blackbox einzuzahlen: Ihnen fehlt Transparenz.

Der Text zu Franz Xaver Ohnesorg findet sich in einer extralangen Version auch im Blog des Recherche-Ressorts der WAZ, für das ich als Reporter arbeite.

Die Recherche hat vor mehr als acht Monaten begonnen. Ich habe viele Dinge erfahren, die ich nicht schreiben kann. Ich habe anonyme Quellen zitiert. Hintergründe zur Recherche sind meiner Meinung nach wichtig für den Leser. Das schafft Glaubwürdigkeit und Nähe. Und grenzt harte Recherche-Arbeit sichtbar von unseriösem Lügenjournalismus ab.

Meine Frage: Wie können Journalisten Vertrauen schaffen? Es folgt ein Versuch am konkreten Beispiel, den ich zur Diskussion stellen möchte.

Unabhängig davon wie der Einzelne meinen heutigen Text in der WAZ beurteilt: Der Ohnesorg-Text soll nur als Beispiel dienen.

Die Recherche Ohnesorg
Der erste Hinweis kam im März: Anonym über unser Upload-Portal schickte jemand Infos zu Franz Xaver Ohnesorg, den Stiftungsvorstand des Klavierfestivals Ruhr. Vier Nachrichten bekamen wir in kurzer Folge, insgesamt eine gute Seite mit Infos und Anschuldigungen. Was mache ich als Journalist damit? Hier möchte ich erklären, wie acht Monate später der veröffentlichte Text entsteht.

Worum ging es in der anonymen Nachricht?
Es ging um Sponsoren- und Fördergelder, um Gerichtsprozesse und um Ohnesorgs Vergangenheit in Köln, New York und Berlin. Mehr als im veröffentlichten Text steht, kann ich über diese Anschuldigungen nicht schreiben. Ich konnte den Rest nicht beweisen.

Was mache ich als Journalist mit unbewiesenen Infos?
Ich habe mich ins Thema eingearbeitet. In diesem Fall schienen mir die Infos plausibel zu sein. Auch die Hinweise auf Gerichtsprozesse mit Ohnesorg-Beteiligung stellten sich als wahr heraus. Der Anfangsverdacht erhärtet sich.

Wie spreche ich mit Informanten?
Ich arbeite mich langsam vor: Weil ich zum Teil sehr harte Anschuldigungen zu Franz Xaver Ohnesorg überprüfe, spreche ich nicht mit Ohnesorg selbst zuerst, sondern arbeite mich von Außen nach Innen: Wer könnte etwas zum Thema wissen? Ich versuche zu vermeiden, dass zu schnell zu viel Staub aufgewirbelt wird. Das Problem: Die meisten Quellen reden zwar, wollen aber anonym bleiben. Einige haben einfach Angst vor offener Konfrontation, andere vor beruflichen Nachteilen.

Einige Berichte der Informanten sind sehr persönlich. Jede Quelle hat ein Motiv für ihre Aussage. Das gilt es für mich zu hinterfragen: Werde ich instrumentalisiert? Redet derjenige nur über Franz Xaver Ohnesorg, weil er mit ihm noch eine Rechnung offen hat? Und falls ja: Steckt dahinter ein wahrer Kern?

Ein Text kann niemals nur auf einer einzigen anonymen Quelle beruhen. Die Informationen müssen überprüft werden durch weitere Quellen. Erst wenn zwei, besser drei Informanten unabhängig voneinander ein und dieselbe Tatsache berichten, kann die Information als relativ gesichert gelten. Oder noch besser: Ich bekomme Dokumente, welche die Anschuldigungen belegen.

Was ist mit Dokumenten?
In unserem Recherche-Ressort versuchen wir, die Kernpunkte unserer Geschichten möglichst durchgängig mit Dokumenten zu belegen. Die Dokumente der Ohnesorg-Recherche kamen schließlich von drei verschiedenen Quellen. Das macht die Recherche belastbarer. Als ich mir sicher war, alles Wichtige verstanden zu haben, habe ich die Hauptvorwürfe zusammengetragen.

Wann und wie konfrontiere ich?
Zur journalistischen Recherche gehört die faire Möglichkeit zur Stellungnahme. Weil unsere Recherchen hart sind, rufen wir die Betroffenen in aller Regel nicht an, sondern stellen unsere Fragen schriftlich. Meist per Mail. Damit hinterher keiner sagen kann, er hätte das so nicht gesagt.

In diesem Fall hat Franz Xaver Ohnesorg nach meiner drei Seiten langen Anfrage versucht, viel Druck aufzubauen. Letztlich kam es zu einem persönlichen Gespräch, das fast 90 Minuten dauerte. Wir haben es auf Band aufgezeichnet. Die Vereinbarung war dennoch: Jedes Zitat, das wir veröffentlichen, darf Ohnesorg vorher autorisieren. Das geht für uns in Ordnung.

Seit Beginn der Recherche bis zur Veröffentlichung sind nun mehr als acht Monate vergangen.

Wie geht es weiter?
Von den anonymen Infos scheinen viele wahr zu sein, aber nur einen Bruchteil konnte ich bestätigen. Ich bin während der Recherche auf weitere Ungereimtheiten gestoßen und recherchiere weiter. Falls jemand Informationen hat, freue ich mich über Nachrichten. Egal ob per Kommentar oder anonym über unsere Upload-Plattform.

Die Dokumente zur Recherche veröffentliche ich übrigens voerst nicht, weil dadurch im schlechtesten Fall auf meine Quellen geschlossen werden kann.

Kontakt: daniel.drepper (ät) gmail.com // 0176 611 96 014

  1. 7. Dezember 2011 - Antworten

    Oh nein, Daniel, jetzt hast du alle journalistischen Geheimnisse verraten und jeder kann das einfach nachmachen! Wenn da diese ganzen Blogger draufkommen…

    • 7. Dezember 2011 - Antworten

      @Anja

      Verdammt. Soll ich schnell wieder löschen? :)

  2. 8. Dezember 2011 - Antworten

    Glaubwürdigkeit und Nähe? Bei einem Artikel der sich auf lauter anonyme Quellen stützt? Ah ja. Die Kosten für das Festival haben sich in 16 (!!!!!) Jahren erhöht? Überraschung! Sicher sind Saalmieten, Gagen und Hotelkosten in diesem überschaubaren Zeitraum gar nicht gestiegen ;-)
    Vom Überschuss “zahlt Prof. Ohnesorg das Education-Programm, seine Erfindung” – hm, ich erinnere mich an einen Artikel in der WAZ, in der dieses Programm über den Himmel gelobt wurde – Sie stellen es dar, als ob es sein Privatvergnügen ist, dabei ist es eine seiner Aufgaben, dieses Projekt voranzutreiben.
    Sie können, wie Sie schreiben, kaum eine der anonymen Beschuldigungen beweisen, aber macht nichts, Rufmord geht auch ohne Beweise? Das ist WAZ-Niveau? In der Vergangenheit gab es bei der Aufgabe seiner Positionen wohl immer irgendwelche “persönlichen Gründe”, dies lässt sich ja leicht nachlesen. Und diese Gründe lassen sich nicht recherchieren? Haben Sie sich von jemandem instrumentalisieren lassen, der eine persönliche Rechnung begleichen will? Wer steht noch gleich mit der WAZ in Verbindung und mit dem Initiativkreis? Ich vermisse eine Stellungnahme dieses Herrn – er wird doch keine beruflichen Nachteile befürchten ;-) Ein Schelm, wer…

    • 8. Dezember 2011 - Antworten

      @Klaudia

      Danke für die kritischen Fragen. Ich versuche mal zu antworten.

      Natürlich steigen Kosten in 16 Jahren. Aber eine Entwicklung von 1,2 Millionen D-Mark auf 3,6 Millionen Euro finde ich interessant und berichtenswert. Wie andere WAZ-Autoren das Education-Programm bewerten, ist nicht meine Sache. Ich bin Autor des oben verlinkten Artikels. Fragen zu anderen Artikeln müssen Sie an die jeweiligen Autoren stellen.

      Der Artikel stützt sich nicht auf “lauter anonyme Quellen”, sondern auf Dokumente. Alle Zahlen sind mit Dokumenten belegt. Das habe ich ja auch versucht, oben zu beschreiben. Schade, wenn das für Sie nicht deutlich genug wird. Falls doch einmal jemand anonym zitiert wird, ist diese Aussage in mehreren Gespräch wortgleich oder ähnlich gefallen. Das ist ja auch so beschrieben. Natürlich ist es immer besser, wenn jemand öffentlich zu seinem Wort steht. Weil es dann auch für kritischer Leser wie Sie deutlicher wird, dass ich als Autor nicht instrumentalisiert worden bin. Aber manchmal traut sich halt niemand, öffentlich aufzustehen. Dann muss ich mich zur Not auf das Mehr-Quellen-Prinzip verlassen.

      Ich habe nicht geschrieben, dass ich “kaum eine der anonymen Beschuldigungen beweisen” kann. Ich habe geschrieben, dass ich einige Hinweise, die über den Text noch deutlich hinaus gehen, nicht beweisen konnte. Deshalb habe ich diese Infos rausgelassen. Deshalb ist dieser Text auch kein Rufmord, sondern eine Zustandsbeschreibung auf Basis von Tatsachen.

      Sie können Herrn Hombach gern nach einer Stellungnahme fragen. Ich kann nur sagen, dass er mit der Berichterstattung absolut nichts zu tun hatte – und ich während der Recherchen auch keinen Kontakt zu ihm hatte.

      Zufrieden? Ist doch schonmal mehr Nähe, als bei normalen Print-Texten, oder nicht? :)

  3. 8. Dezember 2011 - Antworten

    Hallo,
    nett das Sie so ausführlich antworten. Wenn Sie schreiben “nur einen Bruchteil kann ich beweisen” klingt das schon eher nach “kaum etwas” als nach “einige wenige Hinweise”, da kann ich so oft lesen wie ich will, ich komme zu keinem anderen Ergebnis. Die andere Frage: warum ist keiner der “offiziellen” Herren gefragt worden? Ist es nicht ein schweres Versäumnis in der Recherche, den Moderator des IR nicht befragt zu haben?
    Der IR schreibt auf seiner Homepage selbst von 60-70 Konzerten, die veranstaltet werden, ausführlich wird auch auf das Education Programm eingegangen – dies klingt nicht danach, als würde Prof. Ohnesorg dies alles ohne Unterstützung und Billigung durchführen. Und mal ehrlich – welches Druckmittel sollte er gegen die Mitglieder des IR in der Hand haben, sich entsprechenden Anordnungen zu widersetzen? Das würde doch bedeuten er setzt seine Zukunft aufs Spiel. Vielleicht sollte lieber jemand recherchieren, welcher Riss durch den IR gehen könnte, der nun hier ausgetragen wird… zu einem darf ich aber gratulieren: ich jedenfalls warte auf eine Fortsetzung ;-)

  4. 8. Dezember 2011 - Antworten

    Hallo Klaudia! Gerne. Bruchteil oder einige wenige Hinweise – das ist natürlich Interpretationssache. Sagen wir: Es gab mehr, da bin ich aber nicht weiter gekommen. Ich wollte damit deutlich machen, dass man als Journalist sehr stark abwägen muss, was man schreiben kann und was nicht ausreichend belegt ist. Ich hoffe auch auf eine Fortsetzung, definitiv. Den IR haben wir übrigens angefragt, er wollte sich aber nicht äußern und hat an das Klavierfestival verwiesen. Auf bald!

  5. 11. Dezember 2011 - Antworten

    Guten Tag!

    Sehr schöne Initiative, Herr Drepper!

    Journalismus hat genau eine Währungseinheit und das ist seine Glaubwürdigkeit.

    Wie Sie richtig feststellen, wird diese durch unseriöse Veröffentlichungen leider enorm strapaziert.

    Ich halte das bei meinen Texten genau wie Sie – die Quellen werden bei unseren Veröffentlichungen möglichst transparent gemacht. Die Quellen, die geschützt werden müssen, werden von uns geschützt.

    Das ergibt ein Dilemma: Was, wenn die Quelle nicht zu schützen ist? Enthält man der Öffentlichkeit nicht ein wichtiges Thema vor? Meine Antwort ist eindeutig: Ja, aber das rechtfertigt nicht, dass jemand, der hilft, einen Skandal aufzudecken, persönliche Nachteile in Kauf nehmen muss.

    Ich habe deshalb schon auf einige Geschichten verzichtet, weil mir ein Schutz der Quellen nicht ausreichend gelungen wäre.

    Und was, wenn es um so etwas wie die “nationale Sicherheit” geht? Muss man dann als Journalist nicht doch das “Einzelschicksal” dem Wohl der Allgemeinheit unterordnen? Auch hier ist meine Antwort eindeutig: Nein.

    Deswegen lehne ich beispielsweise das “System” wikileaks ab: Einerseits ist es natürlich enorm spannend, was man journalistisch an Informationen erhalten kann, andererseits ist wikileaks dafür verantwortlich, dass die “Quelle” Bradley Manning “verbrannt” ist. Der junge Mann muss nun sein Leben lang büßen und sogar um sein Leben fürchten.

    http://www.sueddeutsche.de/politik/bradley-manning-wikileaks-informanten-droht-todesstrafe-1.1067328

    Das ist, zugegeben, ein Fall, der im Lokal- und Regionaljournalismus eher nicht vorkommt. Aber das Prinzip des Quellenschutzes muss “heilig” sein.

    Leider ist auch das kein Standard im heutigen Journalismus und ich habe schon häufiger gehört, dass man kein Vertrauen in die Presse hat und sich nicht äußern will – hier fehlt eindeutig eine Lobbyarbeit pro “Whistleblower”.

    Zurück zur Transparenz: Sicher gab es früher “Formatprobleme” – man konnte nicht jede Information über die Medien Zeitung, Hörfunk und Fernsehen transportieren (zu wenig Platz, Sendezeit). Das Internet hat diesen bedauerlichen Zustand aufgehoben und man kann nun Material, Hintergrundinformationen, Links usw. anbieten.

    Unsere Erfahrung ist: Nur ein Bruchteil der Leserinnen und Leser nutzt das auch, je nach Thema einige Prozent, manchmal sind es bis zu einem Viertel der Besucher.

    Eine klare Benennung von Quellen gibt aber nicht nur Transparenz, sondern bietet auch Schutz. Im Fall der “Fischfutter”-Affäre habe ich mich auf eine fehlerhafte Auskunft der StA Mannheim gestützt, alle anderen Quellen blieben geschützt:
    http://www.heddesheimblog.de/2011/11/22/ehefrau-von-bundestagsmitglied-christian-strobele-grune-zeigte-13-jahrigen-heddesheimer-an/

    Anlass unseres Berichts über Kamera(-attrapen) auf Toiletten einer Mannheimer Privatschule waren private “Hinweise” und ein übermitteltes Foto. Wir sind den Hinweisen nachgegangen und haben uns aus einer sicheren Quelle ein weiteres Foto besorgt. Nach der Verifikation haben wir den Schulleiter telefonisch mit unseren Erkenntnissen konfrontiert.
    Aus dem Gespräch haben wir die “Drohung” gegenüber unserer Redaktion dokumentiert – schriftlich hätte er sich wahrscheinlich nicht dazu hinreißen lassen ;-)
    http://www.rheinneckarblog.de/2011/12/03/klo-cam-kamera-auf-toilette-des-kurpfalz-gymnasiums-mannheim/

    Ein Beispiel für unseriösen Journalismus haben wir vor kurzem ebenfalls berichtet. Die Rhein-Neckar-Zeitung hat nicht nur eine PR-Meldung eines Politikers als “redaktionellen Beitrag” veröffentlicht, sondern in diesem Fall sehr bewusst auf “Transparenz” verzichtet:
    http://www.rheinneckarblog.de/2011/11/17/nachgefragt-wie-wird-aus-einer-politischen-pr-meldung-ein-redaktioneller-text-in-der-rnz/

    Das war jetzt ein langer Kommentar – aber es ist wichtig und notwendig, einen seriösen, verantwortlichen Journalismus zu stützen. Dazu gehört ganz wesentlich, Methoden und Recherchen so transparent wie möglich zu machen.

    Vielen Dank für Ihre Initiative und viel Erfolg weiterhin damit!

    Beste Grüße
    Hardy Prothmann

    • 11. Dezember 2011 - Antworten

      @Hardy Prothmann

      Hallo Herr Prothmann. Vielen Dank! Ich antworte morgen ausführlicher – per iPhone vom Sofa ist mir etwas zu mühselig grad ;) Beste Grüße in den Süden

  6. 12. Dezember 2011 - Antworten

    Das Wort “Initiative” ist vielleicht etwas hoch gegriffen, aber ich würde in Zukunft gern noch stärker versuchen, dieses Prinzip in Texte einfließen zu lassen. Es gibt viele Dinge, die man tun kann. Das geht schon damit los, dass man deutlich macht, ob man mit Personen telefoniert, gemailt oder sie persönlich getroffen hat. Das wertet einen Beitrag oft stärker auf, als das zehnte Detail, die zwölfte Zusatzinfo. Fällt mir bei amerikanischen Texten immer wieder auf.

    Je geringer die Transparenz, desto stärker kann sich der Autor hinter dieser Schwammigkeit verstecken und sich bei kleinen Fehlern und Ungenauigkeiten auch selbst betrügen.

    Ein weiterer Punkt: Ich fände es gut, wenn auch in Zeitungen (und Radio, Fernsehen, Netz ja sowieso) vernünftige Autorenzeilen Standard wären. Nicht nur der Name (und neuerdings immer häufiger ein Foto), sondern – viel wichtiger – die Erreichbarkeit. Wenigstens Mailadresse, meiner Meinung nach auch Handynummer. Von mir aus ein Diensthandy. Das schafft Vertrauen und Nähe.

    Es gibt viele Dinge, über die man nachdenken sollte. Ich kann nur empfehlen: “The Elements of Journalism” lesen – das meiste ist dort sehr gut angedacht.

    Quellenschutz geht natürlich vor Geschichten, das ist klar.

    Alles Gute Ihnen

  7. 12. Dezember 2011 - Antworten

    Hardy Prothmann: “…aber es ist wichtig und notwendig, einen seriösen, verantwortlichen Journalismus zu stützen. ”

    Absolut! Und noch wichtiger ist es, einen seriösen, verantwortlichen Journalismus zu machen. Fischfutter-Journalismus zählt hier natürlich nicht darunter.

  8. 18. Dezember 2011 - Antworten

    Lieber Herr Drepper!

    Soweit es zumindest mich betrifft, nehme ich nicht jeden Sperrmüll, der an der Straße steht, mit nach Hause! Außer, jemand ist ein versierter Trödel- oder Altmetallhändler, der Nachgefragtes wie Werthaltiges von Restmüll zu unterscheiden weiß.

    In diesem Fall haben Sie nach journalistischen Kriterien einen soliden und nach ihren Quellen abgesicherten Artikel geliefert und dafür in der Medien- und Bloggergemeinde Anerkennung erfahren. Was mich dabei nur wundert: Kulturthemen oder gar Konzert- und Opernkritik gehörten allerdings nicht zu Ihren Tätigkeitsschwerpunkten. Dabei arbeiten Politikjournalisten vorzugsweise über Politik, Wirtschaftsjournalisten über Wirtschaftsthemen, Sportjournalisten über Fußball und Co. und Kulturjournalisten eben über Kulturthemen.

    Nun stellt sich für mich die berechtigte Frage nach der fachlichen Fundierung Ihrer Recherche. Oder sind Sie eventuell doch in irgendeiner Form mit der Praxis und den Abläufen in einer Kulturinstitution, also mit dem weitem Feld des Kulturmanagements vertraut, oder sind Sie mit dem künstlerischen Stellenwert der Künstler in irgendeiner Form vertraut, oder haben Sie gar in anderen Kulturbetrieben recherchiert, oder haben Sie vielleicht sogar Ihre Kollegen aus dem Kulturressort von WAZ und NRZ bezüglich des Klavierfestivals konsultiert?

    Im Übrigen ist Sponsoring immer teil der Kommuikatonsstrategie eines Unternehmens. (Aus dem Sportbereich dürfte Ihnen diese Praxis vertraut sein.) Dass sich diese schon mal ändern kann, zeigt z.B. der Rückzug von Evonik als Großsponsor der Ruhrtriennale in 2008:
    http://www.ruhrbarone.de/kulturhauptstadt-und-ruhrtrienale-ohne-evonik-muller/

    Meine Bitte und Empfehlung also für die Zukunft: mehr Relevanz in der Story und den Restmüll in die umweltgerechte Entsorgung.

    Danke!

    • 18. Dezember 2011 - Antworten

      @Wesensfremd

      Hallo Wesensfremd! Vielen Dank für die differenzierte Rückmeldung. Ich bin im Moment ohne Laptop, daher vorerst nur kurz: Manchmal halte ich es für einen Vorteil, fachfremd zu sein. Einige Journalisten (zB David Crawford, Korrespondent des Wall Street Journal) wechseln sogar ganz bewusst ihre Themen. Zur konkreten Recherche schreibe ich am Dienstag nochmal! Bis dahin!

  9. 18. Dezember 2011 - Antworten

    Prothmann? ist das nicht der, der vier Monate recherchiert und noch nicht mal die Betroffene in seiner Arbeit kontaktiert?

  10. 18. Dezember 2011 - Antworten

    @Schneider: Ich möchte Sie bitten, Ihren Vorwurf zu präzisieren. Sonst hat niemand was davon.

  11. 19. Dezember 2011 - Antworten

    Gerne.

    Hardy Prothmann publizierte am 22. November in seinem Heddesheimblog den Artikel “Ehefrau von Bundestagsmitglied Christian Ströbele (Grüne) zeigte 13-jährigen Heddesheimer an” http://www.heddesheimblog.de/2011/11/22/ehefrau-von-bundestagsmitglied-christian-strobele-grune-zeigte-13-jahrigen-heddesheimer-an/

    Zwischen Kenntnis der Sache und Publikation lagen fast 4 Monate, die der Autor seiner eigenen Auskunft nach zum Teil für Recherchearbeit genutzt hat. Der Journalist Prothmann behauptete mehrfach, seinem Anspruch nach ausreichend recherchiert zu haben.

    Nur: Die Frau, um die es in dem Artikel als Betroffene ging, wurde zu gar keiner Zeit kontaktiert und um Stellungnahme gebeten. Herr Ströbele wurde rund 20 Minuten vor Veröffentlichung angefragt.

    Man muss das ruhig zukünftig immer und immer wieder in Erinnerung bringen und halten, wenn der jerjenige bei Themen, die seriösen Journalismus betreffen, mitreden will.

  12. 19. Dezember 2011 - Antworten

    Da kann ich persönlich nichts zu sagen. Würde mich freuen, wenn Hardy Prothmann hier darauf reagieren würde. Die Geschichte kenne ich grob; viel zu grob, um zu kommentieren.

  13. 20. Dezember 2011 - Antworten

    @Wesensfremd – Nochmal ausführlicher:

    Ein Spezialgebiet zu haben ist sicher nicht falsch. Mein Vorwissen zum Thema Doping hilft mir zB bei der Berichterstattung. Das ist zum einen das Sachwissen, auch um Zusammenhänge einordnen zu können. Zum anderen – und das ist nicht weniger wichtig – auch die Kontakte. Andererseits arbeite ich dabei aber sicher auch mit Vorurteilen. Ich kenne ein paar Leute, die ich vermutlich eher anrufen werde, als andere; vielleicht habe ich sogar persönliche Verbindungen, Sympathien etc pp – das passiert einem Außenstehenden, der sich neu ins Thema arbeitet, nicht.

    Wenn ich als Fußballreporter am Spielfeld stehe oder Spiele kommentiere (oder wenn ich Kunstkritiken schreibe), brauche ich (theoretisch) Fachwissen. Stimme ich zu. Bei langen Recherchen sehe ich das aber anders. Meine Recherche hat ja nur in Teilen etwas mit Kultur zu tun. Die hätte genauso gut im Sport oder Politikbereich stattfinden können. Da geht es um die Strukturen.

    Einige Medien gehen mittlerweile dazu über (vor allem in Rechercheressorts), Spezialisten für verschiedene Techniken einzusetzen. Der eine ist Meister der Onlinerecherche, der andere kennt sich mit rechtlichen Dingen aus, der dritte beschafft Akten etc. pp. In Amerika ist das schon länger und noch stärker etabliert. Schreiber, Rechercheur, Redakteur usw.

    Ich entwickle also als Person oder als Team Strategien, die ich bei jedem Thema wieder in ähnlicher Form anwenden kann. Das dauert vielleicht mal länger, als bei jemandem, der im Thema drin ist – ist aber auch offener von der Recherche und ich glaube häufig erfolgreicher.

    Zusätzlich habe ich mich natürlich mit relativ vielen Leuten in der Kulturbranche unterhalten. Mit den Kulturredaktionen der WAZ-Zeitungen habe ich mich auch aus oben genannten Gründen vorher ganz bewusst nicht ausgetauscht. Ich wollte so ergebnisoffen und unbeeinflusst wie möglich recherchieren.

    Ich hoffe das war jetzt nicht zu durcheinander.

    • 26. Mai 2013 - Antworten

      @Sven Temel

      Der Link funktioniert leider nicht.

      • 18. Mai 2015 - Antworten

        @Daniel Drepper

        Doch, der Link funktioniert, wenn man ihn kopiert und in die Browserzeile eingibt.

  14. 28. Mai 2013 - Antworten

    Dieser Link sollte funktionieren:
    http://www.facebook.com/pages/Fischfutter-Journalismus/292736560766454

    Hier wird sachlich chronoligisiert, wie Hardy prothmann seine Recherchearbeit in Sachen eines medienunternehmens und angeblicher Rechtslastigkeit betrieb.

    …sofern der Kommentar hier freigeschaltet wird.

    Prothmann äussert sich hier nicht zu seiner Arbeitsweise, die einem Arbeitsmuster gleicht. Er tut es auch woanders nicht. Noch nicht mal in seinen eigenen Blogs. Zumindest sollte man dann aber bei Themen, die Relevanz und Recherechequalität betreffen, besser durchgehend die Klappe halten.

    Bei der Ströbele-Sache kündigte er im Spendenrausch sogar an, einen Verein für Abmahnopfer gründen zu wollen. Auch daraus schlug er Kapital und lies sich gerne portraitieren (z.B. http://www.berliner-zeitung.de/medien/mehr-schutz-fuer-blogger-kampf-gegen-den-abmahnwahn,10809188,11542006.html)

    Einen Verein gibt es bis heute nicht.

    Was Prothmann aber kann: Mich als Stalker titulieren und mir Mails schreiben “ich solle einmal zum Arzt gehen”.

    Ich finde es wichtig, bei solchen Zeitgenossen, die sich als die Zukunft des Journalismus bezeichnen und Kollegen selbst gern mit Dreck bewerfen, dran zu bleiben und jede Möglichkeit zu nutzen, eine solche Arbeitsweise unermüdlich sachlich aufzuzeigen.

  15. 24. April 2014 - Antworten

    Nachgereicht: Die ganze Prothmannsche Story über die Moderatorin Alexandra Philipps, über die angekündigten Enthüllungen der bezichtigten angeblich rechtslastigen Medien. Alles gelöscht im Rheinneckarblaog, alles kommentarlos(!) weg.

    Betreibt man so also glaubwürdigen Journalismus, der aufdecken soll?

    Stattdessen eine neue Nummer, die so geht “Seht her: Wir als Rheinneckarblog werben für AfD! Eigentlich kein großes Thema. Ist ja eh nur ein Bannerchen, interessiert keine Sau. Aber ich als Blogbetreiber geh damit voll nach vorne und schreibe andere Parteien und meinen Leser die Schuld zu. Denn sie bezahlen mich ja nicht.

    Man glaubt es nicht?
    http://www.rheinneckarblog.de/19/jedes-ansehen-eingebuesst-schaem-dich/45000.html

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