Sportwoche 12/11: Leichtathletik im TV, Stevic‘ Geschäfte

Verspätet und verkürzt: Die Sportwoche im Mini-Format.

Thema der Woche: Noch immer Streit um Leichtathletik im TV
Der Sportausschuss hat hinter verschlossenen Türen über die eventuell ausfallende Berichterstattung von ARD und ZDF von der Leichtathletik-WM in Daegu beraten, wie unter anderem die FAZ berichtet. Theoretisch hätte der Sportausschuss die Sitzung nutzen können, um eine grundsätzliche Diskussion über die Berichterstattung von Sport im öffentlich-rechtlichen Rundfunk anzustoßen. Stattdessen ging es nur um die Leichtathletik. Ausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag ist Vizepräsidentin des Deutschen Leichtathletik Verbandes. Probleme mit ihren vielfältigen Lebenssachverhalten weist sie im Deutschlandfunk zurück.

Dennoch hätte man die Situation nutzen können, um endlich mal einige grundlegende Fragen zu diskutieren:

  • Muss die ARD unbedingt für angeblich 54 Millionen Euro Boxrecht für drei Jahre kaufen (Schöner Text in der FAZ von Arne Leyenberg)?
  • Muss sich das ZDF für angeblich 55 Millionen Euro im Jahr wirklich um die Rechte für die Champions League bemühen, wenn diese doch genau so gut in SAT 1 gesehen werden kann?
  • Warum wird in Sportschau und aktuellem Sportstudio fast ausschließlich Fußball gezeigt?
  • Auf welcher Grundlage bezahlen die öffentlich-rechtlichen Sender hierfür hunderte Millionen Euro Gebührengeld?
  • Was habe ich von gefühlten 18 Stunden Wintersport pro Wochenende?
  • Und was hat das alles mit öffentlich-rechtlichem Auftrag zu tun?

Eine offene, grundlegende Diskussion hierzu gab es bislang nicht, obwohl unter anderem Christopher Keil, Ressortleiter Medien der Süddeutschen Zeitung, dafür am 17. März in der Printausage eine schöne Vorlage geliefert hatte (leider nicht online gefunden). Er arbeitet unter anderem schön heraus, dass die Leichtathletik natürlich Mitschuld an einer Nicht-Übertragung der WM hätte. Schließlich hat sie selbst die TV-Rechte an die Vermarktungsagentur IEC für eine fixe Summe weitergereicht. „Eine Agentur kümmert sich nicht um Zuschauer, Aktive und Verbände. Eine Agentur kümmert sich um Gewinn“, schreibt Keil. Für die Aktion kein-wm-blackout.org, mit der versucht wird, ARD und ZDF im Namen der Bevölkerung unter Druck zu setzen, die WM doch noch zu zeigen, hat die IAAF die nächste Agentur beauftragt, die Werbeagentur Burson-Marsteller. Vielleicht sollte die IAAF lieber mit IEC reden und zur Not einen Teil der erlösten Summe zurückzahlen, damit IEC die Rechte für weniger verkaufen kann, wenn ihr eine Übertragung so wichtig ist.

Gedopt
Vorvergangene Woche fand in London eine Doping-Fachkonferenz statt. Hier die Zusammenfassungen von Konferenz-Seite selbst sowie von den Veranstaltern (Tag eins und zwei). Außerdem ein Text des Guardian, der auch eine der zentralen Aussagen von WADA-Chef David Howman zitiert: „My information is we now know the criminal underworld controls a significant proportion of world sport.“

Und sonst?
Der tiefe Fall der Sechzger in München lässt die Süddeutsche Zeitung eifrig berichten. Ein sehr schönes Stück war am Samstag in der Printausgabe zu lesen. Es geht um eine Spieleragentur, Lian Sports, zu der Stevic sehr gute Verbindungen hat. Und um private Geschäfte dank beruflicher Kontakte. So verkaufte Stevic den beiden Profis Ignjovski und Rukavina je eine Wohnung. Rukavina ist laut SZ trotz mäßiger Leistung mit 32000 Euro im Monat einer der Spitzenverdiener bei 1860. Stevic behauptet jedoch:

„Er habe an dem Handel „nicht verdient, sondern draufgezahlt“. Rukavina und Ignjovski hätten Geld anlegen wollen und ihn um Rat gefragt. Ein TSV-Aufsichtsrat mag das nicht glauben. Da komme doch der Verdacht auf, ein Spieler wie Rukavina verdiene auch wegen seiner Geschäfte mit Stevic so gut beim TSV 1860.“

Wie formuliert Thomas Bach doch immer so schön, wenn ihm Verquickung von Beruf, Ehrenamt und Privatem vorgeworfen wird: Das sei kein Problem, das seien „Vielfältige Lebenssachverhalte“

One Response to Sportwoche 12/11: Leichtathletik im TV, Stevic‘ Geschäfte

  1. Lars T. sagt: Antworten

    Zu: Kein Leichtathletik im Fernsehen!
    Natürlich kann und sollte man darüber reden, ob die öffentlich-rechtlichen Sender ihren Auftrag erfüllen, oder ob sie nicht vielmehr Erfüllungsgehilfen von Sportverbänden und Promotern geworden sind.
    Aber die Aktion „Kein TV-Black Out“ vom Leichtathletikweltverband ist meiner Meinung nach ein ganz schlechter Witz. Erst wird mies verhandelt, und dann wird angeblich im Namen der sportbegeisterten Bevölkerung mit Hilfe einer weiteren Marketingagentur eine vermeintliche „Bürgerbewegung“ ins Leben gerufen, um Druck auf die Fernsehschaffenden zu machen. Ich hoffe mal, das diese Aktion (unabhängig von der Entscheidung über die Übertragungen) zu einem Rohrkrepierer wird. Für wie dumm will uns die IAAF eigentlich verkaufen? Vielleicht sollte sich der Weltverband mal mehr mit seinen eigenen und hausgemachten Problemen befassen. Die Liste der 100m Olympiasieger und Weltmeistern der letzten 20 Jahre gibt genung Material zum Aufarbeiten her. Ich bin nicht der Meinung, das man diese absurden Disziplinen und kriminellen Machenschaften auch noch mit Gebührengeldern protegieren soll.
    Und der Verweis auf andere Sportarten, wo doch auch viel Geld für Unsinn ausgegeben wird (siehe Boxen), macht die Kampagne ja nicht besser.

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