Die Zeitschrift „journalist“ gibt in ihrer aktuellen Ausgabe 25 Antworten auf 25 Fragen zur Medienbranche. Ich durfte für den „journalist“ aufschreiben, warum im Moment die geilste Zeit ist, um Journalist zu werden.

Es ist die geilste Zeit, um Journalist zu werden, weil es endlich um Journalismus geht. Volker Kauders Rede mitschreiben? Braucht niemand, verbreitet die CDU selbst. Sportergebnisse in Texte fließen lassen? Übernehmen bald überall Computer. Natürlich gehen dadurch Jobs verloren, aber die gute Nachricht: Das langweilige fällt weg, konzentrieren wir uns auf das geile Zeug.

In den letzten Wochen des Jahres habe ich mich nochmal ein wenig mit der deutschen Sportförderung beschäftigt. Im Deutschlandfunk habe ich gemeinsam mit Robert Kempe beschrieben, wie sich der DOSB in letzter Minute der Haushaltsberatungen noch schnell drei Extra-Millionen abgeholt hat. Wie schwierig eine Bemessung der Sportförderung ist, hatte uns Arne Güllich erzählt, der jahrelang für den DOSB gearbeitet hat. Dazu habe ich mit Niklas Schenck im Rechercheblog der WAZ ein internes DOSB-Papier veröffentlicht, das Argumente liefern sollte, warum der Staat zusätzliche Millionen für den Sport aufbringen müsse. Das Papier wurde bisher nie öffentlich diskutiert.

Dazu gibt es einen Nachdreher im WAZ-Rechercheblog inklusive Fax von BMI-Staatssekretär Christoph Bergner. Morgen Abend läuft dazu in der Sendung ab 19.10 Uhr auch noch ein zweiter Beitrag von mir im Deutschlandfunk.

Gemeinsam mit dem Team von OpenDataCity hat unser WAZ-Recherche-Ressort tausende Geheimpapiere zum Afghanistan-Krieg geleakt. Die Veröffentlichung soll eine öffentliche Diskussion über den Sinn dieses Krieges ermöglichen.

Über den Krieg in Afghanistan wird in der Öffentlichkeit noch immer nicht wahrheitsgetreu gesprochen. Das wollen wir ändern. Wir veröffentlichen die sogenannten “Unterrichtungen des Parlamentes”. Die sind “VS – nur für den Dienstgebrauch” gestempelt. Wir finden aber, die Öffentlichkeit sollte über den Krieg in Afghanistan informiert werden.

Aus den Afghanistan-Papieren geht hervor, dass sich die Sicherheit am Hindukusch kontinuierlich verschlechtert. Von 2007 bis 2012 hat sich die Zahl der Angriffe verdreifacht. Allein in einer Woche im September 2012 kam es zu über 620 Attacken. Am heutigen Mittwoch will die Bundesregierung das neue Mandat für Afghanistan beschließen.

Die Berichte wurden uns zugespielt. Weil sie zum Teil nur in schlechter Qualität vorliegen, brauchen wir Hilfe. Leser können die Transskripte der Seiten ausbessern, uns Hinweise geben und den Inhalt jeder einzelnen der etwa 5000 Seiten diskutieren. Damit alle zusammen der Wahrheit ein Stück näher kommen.

-> zu den Afghanistan-Papieren
-> zu unserer Berichterstattung im WAZ-Rechercheblog

Die SPD will staatlich finanzierte Zeitungen. Kein Witz. Marc Jan Eumann, SPD-Medienstaatssekretär, träumt für 2014 von einer „Stiftung Vielfalt und Partizipation”. Die Stiftung soll “Recherche-Stipendien vergeben, aber auch Redaktionen unterstützen“, wie der Spiegel berichtete. Das darf nicht sein.

Sogar DIE aktuelle ZEIT fragt sich: Gibt es eine Zukunft für Journalismus, wenigstens für den mit Qualität? Jemand muss die Produzenten bezahlen, immer häufiger wird über Stiftungen nachgedacht. Das große Vorbild ist ProPublica, eine durch private Spenden finanzierte, investigative Redaktion in New York. Jetzt will ein Politiker die Schwäche des Journalismus nutzen, um staatlich Printjournalismus einzuführen.

Ich komme aus einer kleinen Stadt im Münsterland, Drensteinfurt. Dort wird seit Jahren um eine Grundschule gestritten – inklusive Klagen vor dem Verwaltungsgericht Münster. Ich habe in den vergangenen Wochen versucht zu beschreiben, wie kompliziert es in einer kleinen Stadt zugehen kann. Eine gekürzte Version erscheint am morgigen Samstag in der lokalen Dreingau-Zeitung (bei der ich als Jugendlicher mit dem Schreiben begann). Wer etwa 20 Minuten Zeit hat: Wohl bekomm’s.

Zwei Klagen, mehrere Anwälte und zahlreiche aufgebrachte Anwohner: In keiner Stadt des Kreises gibt es so viel Streit um eine Schule. Die Anwohner sehen sich als Opfer, die Sportvereine DJK und SVD leiden unter dem Konflikt. Gegenüber der Dreingau-Zeitung gibt die Stadt Drensteinfurt eigene Fehler zu. Eine Lösung ist trotzdem nicht in Sicht. Wie konnte es dazu kommen?

Zwei Stunden dauert das Gespräch, vier Mal laufen die Tränen. Die Frau, deren Name hier nichts zur Sache tut, sitzt am Küchentisch, immer wieder wischt sie sich über die Augen. Das Gespräch will sie mehrfach abbrechen, ihr Mann überredet sie zum Weitermachen.

Das Reiseziel hatte sich Viola von Cramon gut überlegt: Die Schweiz. Dutzende Sportverbände haben hier ihren Sitz. Korruption und Doping dominieren die Sport-Schlagzeilen – was liegt näher als mit Offiziellen und Funktionären zu reden? Doch dazu kommt es nicht. Statt in die Schweiz fährt der Sportausschuss des Bundestages vom 4. bis zum 8. Februar 2013 nach Sotschi. Die schwarz-gelbe Mehrheit hat die Reisepläne gekippt, jetzt geht es Olympia-Bauten angucken.

Viola von Cramon war vor einem Jahr schon einmal mit ihrem Mitarbeiter in der Schweiz unterwegs, hatte sich mit Funktionären getroffen, mit Kritikern und Offiziellen. Die Reise hat sich gelohnt, findet die Grünen-Politikerin. Neue Erkenntnisse für die Arbeit als Abgeordnete, für so etwas sind Ausschussreisen des Bundestages da. Von Cramon hatte ihren Kollegen deshalb die Schweiz als Reiseziel für die obligatorische Ausschussreise Anfang 2013 vorgeschlagen. Die Kollegen hatten nichts dagegen.

Doping in Deutschland von 1950 bis heute – viel mehr kann ein Projekttitel kaum versprechen. Berliner und Münsteraner Forscher sollten seit 2009 die dunkle Vergangenheit des deutschen Sports aufklären, das Innenministerium stellte eine halbe Millionen Euro Steuergeld zur Verfügung. Doch drei Jahre später versinkt das Projekt in Merkwürdigkeiten. Es bleiben: Streitigkeiten um fehlendes Geld, juristische Hürden, verweigerte Dokumente und eine Prüfung durch das Bundesverwaltungsamt.

Gemeinsam mit meinem Kollegen Mathias Hausding von der Märkischen Oderzeitung habe ich mich mit dem Forschungsprojekt Doping in Deutschland beschäftigt. Und versucht zu erklären, warum es auf der Zielgeraden doch noch platzt. Dienstag stellt das Bundesinstitut für Sportwissenschaft im Bundespresseamt in Berlin die Ergebnisse der dritten Phase vor, aber nur die Hälfte der Forscher trägt vor. Im Bundesinstitut für Sportwissenschaft geht wegen der Rumpf-Präsentation am Dienstag angeblich schon Panik um. “Das Bundesinstitut hat Angst vor der Presse und davor, dass ihm das ganze Projekt um die Ohren gehauen wird”, sagt der Münsteraner Projektleiter Michael Krüger.

Die Berliner Forscher tragen ihre Erfahrungen nun zwei Tage nach der Vorstellung des BISp, am kommenden Donnerstag, auf einem Symposium an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder vor. Die Autoren werden bei dieser Veranstaltung vertreten sein und über die Probleme des Projektes reden.

Der Haupttext findet sich unter anderem im Rechercheblog der WAZ, dort gibt es auch Links auf die restlichen vier Texte. Eine Geschichte ist auch auf fussballdoping.de gelandet.

[Auf dem Foto zu sehen: Ingo Weiss (DOSB-Präsidiumsmitglied), Christian Klaue (DOSB-Pressesprecher) und BISp-Direktor Jürgen Fischer.]

Marathonläufer Viktor Röthlin hat den Journalisten Manfred Steffny verklagt, weil dieser ihn in einem Text des Dopings verdächtigt hatte. Mit einem ersten Urteil war Röthlin nicht zufrieden, ging in Berufung und verlangte 15.000 Euro Schmerzensgeld. Jetzt gibt es ein rechtskräftiges Urteil, Röthlin bekommt kein Schmerzensgeld. Das stärkt die Berichterstattung über Doping.

Ein paar mehr Hintergründe, meine Einschätzung und das Urteil gibts im WAZ-Rechercheblog.

Verstrickt in den Skandal rund um Steuerhinterziehung beim Trödelking sind der WDR, die Firmen Good Times und Media Uno sowie die Encanto von Bettina Böttinger und die Sony Pictures. Und natürlich der Trödelking selbst. Roland Beuge war pleite, als er für den WDR 2006 entdeckt wurde. Direkt verdiente er als Flohmarktprofi des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nur ein schmales Honorar an der Pfändungsfreigrenze. Darüber hinaus überwiesen die diversen WDR-Produktionsfirmen jahrelang Geld in die Schweiz, am Fiskus vorbei. Die Bonner Steuerfahndung ermittelte.

Mein Kollege David Schraven hat da bei uns im WAZ-Rechercheblog eine Story mit vielen schmutzigen Details ausgegraben. Vorangegangen waren eine Geschichte zum Trödelking („Trödelking hinterzieht Steuern und keiner will es gemerkt haben“) und ein Interview mit der Hauptperson der Dokumentationen, dem Flohmarkt-Experten Roland Beuge („Der Trödelking packt aus“). David schreibt nun:

Je tiefer man dem Skandal um die WDR-Erfolgssendung „Trödelking“ nachforscht, umso deutlicher wird die dubiose Rolle, die der Staatssender selbst spielt. Der Verdacht drängt sich auf, dass hier irgendetwas im Gebührenrundfunk vertuscht werden soll. Die Frage ist: wer soll hier geschützt werden – aus welchem Grund?

Und:

Ich denke, die Sache hat inhaltich einiges mit dem Skandal um die ehemalige NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze zu tun. Nur: der NDR hat die Kiste aufgerollt, aufgeklärt und abgearbeitet. Der WDR übt sich dagegen im vertuschen. Das ist beschämend.

Ich habe die ganze Story zu einer Zeitleiste zusammengebaut. Das Tool Timeline JS gibt’s hier. Für mich das beste Werkzeug, dass es aktuell zum einfachen Basteln von Zeitleisten gibt. Es sieht gut aus, es ist über ein Google-Dok einfach zu befüllen, es verarbeitet verschiedene Medien (Videos, Fotos, Tweets etc). Oder kennt jemand noch etwas besseres?

Das Foto im Header stammt von User R/DV/RS auf flickr.com unter der Lizenz CC-BY-SA