Seit fünf Jahren wird darum gestritten, ob die Zielvereinbarungen des deutschen Sports öffentlich werden sollen. Gemeinsam mit Niklas Schenck stelle ich die Dokumente und viele weitere Akten zur deutschen Sportförderung jetzt im Netz zur Verfügung.

Nach welchen Kriterien fließen jedes Jahr hunderte Millionen Euro Steuergeld in die Hatz nach deutschen Medaillen? Um das transparenter zu machen, hatten wir bereits im Mai 2011 eine Veröffentlichung zahlreicher Dokumente auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes beantragt. Dieses Gesetz erlaubt jedem Bürger, Einsicht in die Akten der Behörden zu nehmen.

Zu den Olympischen Spielen in London hatten wir mit einer Auskunftsklage gegen das Bundesministerium des Innern die Medaillenvorgaben der deutschen Sportler aufgedeckt: 86 Stück sollten die Athleten mit nach Hause bringen, 44 Medaillen waren es am Ende. Die Dokumente über die Hintergründe der Sportförderung hat das Ministerium zum Teil erst weit nach den Olympischen Spielen von London freigegeben. Auf allesfuergold.de werden wir diese nun nach und nach veröffentlichen.

Wenn Bayern- und DFB-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt eine Diagnose spricht, dann glaubt Fußball-Deutschland ihm. Sportler fliegen aus der ganzen Welt zu ihm. Doch von Wissenschaftlern wird seine Arbeitsweise kritisiert, mit intensiver Werbung für Produkte begibt er sich auf dünnes Eis.

[von Daniel Drepper, Sebastian Krause und Jonathan Sachse]

Mario Götze ist nicht rechtzeitig fit geworden, vielleicht hätte Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ihn fit bekommen? Götze wohnte in der vergangenen Woche in München, war aber nicht bei Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in Behandlung – dies ist dem BVB vor dem Champions League-Finale wichtig. Nähere Fragen beantwortet Borussias Presseprecher Sascha Fligge in diesen Tagen nicht. Interessenkonflikte von Bayern- und Nationalmannschafts-Arzt Müller-Wohlfahrt? Kein Kommentar.

Die Diskussion um Götze ist kein Einzelfall, Müller-Wohlfahrt behandelt regelmäßig Fußballer von konkurrierenden Vereinen. „Du hast Dir ein unglaubliches Vertrauen erworben, der Gestalt, dass andere Vereine ihre Spieler selbst dann zu dir geschickt haben, wenn ein Spiel gegen den FC Bayern bevorstand,“ sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach auf Müller-Wohlfahrts 70. Geburtstag. Oft entscheidet Müller-Wohlfahrts Diagnose, ob es für die Startelf reicht oder nur für die Tribüne. Eine gigantische Machtposition. Wer ist der Arzt, dem Deutschlands Fußballer vertrauen? Und: Hat er dieses Vertrauen verdient?

Wir haben in den vergangenen Monaten zu Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt recherchiert. Neben unserer Recherche zu Müller-Wohlfahrts geschäftlichen Aktivitäten haben wir auch zu medizinischen Geschichten recherchiert. Die Recherche findet sich in voller Länge in unserem Blog fussballdoping.de.

Unsere Seite fussballdoping.de ist für den Grimme Online Award nominiert. Aus 1600 Vorschlägen hat eine Kommission 28 Angebote ausgewählt. Das Grimme-Institut hat die Nominierung heute bekannt gegeben. Ihr könnt fussballdoping.de mit Eurer Stimme unterstützen.

Auf fussballdoping.de tragen wir alle Informationen zum Doping im Fußball zusammen, bereiten aktuelle Fälle auf und recherchieren selbst zum Thema. Wichtig ist die offene Kommunikation mit dem Publikum: Viele Hinweise kommen von den Lesern selbst. Gemeinsam soll über das bislang kaum beachtete Thema Dopng im Fußball aufgeklärt werden. Hinweisgeber und Quellen können sich auch über unsere verschlüsselte Upload-Plattform an uns wenden.

Die Medien feiern ihn als erfolgreichen Wunderheiler, als den Arzt, dem die Promis vertrauen. Bastian Schweinsteiger, Usain Bolt und Bono gehören zu seinen Kunden: Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ist der wohl bekannteste Sportarzt der Welt. Seit 1977 betreut er den FC Bayern München, seit 1995 die Fußball-Nationalmannschaft. Doch schaut man hinter die Fassade, stumpft der Glanz ab: Müller-Wohlfahrts Weg begleiten wirtschaftliche Fehlschläge. Zwei Firmen, die Müller-Wohlfahrts Namen tragen, sind bilanziell überschuldet. Nach Recherchen der WAZ-Mediengruppe ist Müller-Wohlfahrt mit seiner Praxis im Alten Hof in München nur Mieter. Die pompösen Räume und Geräte mietet Müller-Wohlfahrt von Fußball-Mäzen Dietmar Hopp.

Die Geschichte über Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt habe ich gemeinsam mit Jonathan Sachse geschrieben, die komplette Story gibt es im Rechercheblog der WAZ. Wir bleiben dran und recherchieren weiter zu Müller-Wohlfahrt, zu Dietmar Hopp und zu geschäftlichen Verbindungen im Fußball. Aber auch zu Müller-Wohlfahrts Arbeit als Sportmediziner. Haben Sie Informationen oder Hinweise? Schreiben Sie uns oder rufen Sie uns an. Gerne können Sie uns auch anonym benachrichtigen, über unsere verschlüsselte Upload-Plattform. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Ich studiere ab August an der Columbia Journalism School in New York und mache einen zehnmonatigen Master of Science. Dort besuche ich das Toni Stabile Center for Investigative Journalism.

Ich habe vor wenigen Tagen in Dortmund mein Diplom in Journalistik und Sport abgeschlossen, integriert war ein einjähriges Volontariat bei der Main-Post. Ich habe einige Jahre Erfahrung als freier Reporter und in den letzten zweieinhalb Jahren im Recherche-Ressort der WAZ extrem viel lernen dürfen. Ich bin 27 Jahre alt. Ist es dumm, jetzt einen Master in Journalismus dranzuhängen? Ich finde: Nein.

Ob ich einen normalen Master in Journalism an der Columbia gemacht hätte, weiß ich nicht. Da ich aber als einer von 15 Studenten am Toni Stabile Center for Investigative Journalism studieren darf, fiel mir die Entscheidung leicht. Am Stabile Center lehren nicht nur einige der besten Rechercheure der Welt, auch die Master-Arbeit ist ein investigatives Projekt. Betreut wird die Arbeit von Pulitzer-Preisträgern, von Reportern die für ProPublica oder die New York Times arbeiten. Das ist es, was ich lernen will. Das gibt es so in Deutschland nicht. Dazu kann ich mich an der Columbia auf Datenjournalismus spezialisieren, kann mit Studenten aus drei Dutzend Ländern arbeiten, diskutieren, Bier trinken gehen.

Die Studiengebühren für diese zehn Monate Columbia University betragen knapp 60.000 Dollar. Dazu kommt das Leben in New York. Ich habe mich vergleichsweise kurzfristig beworben, habe damit Fristen für die klassischen Auslandsstipendien verpasst und muss wohl deutlich mehr als die Hälfte der Kosten selbst finanzieren. Warum mache ich das trotzdem?

Bis Mitte 30 sollte man an seinen Kompetenzen arbeiten, danach geht’s um’s Geld verdienen (den Gedanken habe ich in diesem ohnehin sehr zu empfehlenden Text bei Maria Popova augeschnappt). Dass man nie genug lernen kann, ist eine Binsenweisheit. Ich finde dass es – solange man keine Familie zu ernähren hat – tatsächlich zweitrangig ist, was finanziell dabei herumkommt. Viel wichtiger: Wo kann ich mich am besten entwickeln. Ich glaube, dass es sich gerade in dieser Zeit lohnt, in Journalismus zu investieren. Nur wirklich guter Journalismus wird in Zukunft von Nutzern ordentlich bezahlt werden.

Hier wird es ab Juli erst einmal weniger zu lesen geben. Ich freue mich auf Amerika. Darauf, zehn Monate die Zukunft des Journalismus zu erleben, mit Kommilitonen aus der ganzen Welt zu diskutieren, mit Leuten, die für unseren Job brennen. Neues aufnehmen, verarbeiten, die Zukunft mitgestalten… und, hey: Es ist New York.

Foto: CC-Lizenz davemolloy via flickr.com

Gemeinsam mit Robert Kempe habe ich in den vergangenen Monaten einen Film für das WDR-Sportmagazin sport inside produziert. Es geht um Eliteschulen des Sports. Das knapp zehnminütige Stück läuft morgen Abend in der Sendung ab 22.45 Uhr im WDR und ist später auch auf der Webseite zu sehen.

Wir waren mit der Kamera in Essen, Frankfurt, Mainz, Magdeburg und Potsdam – und hätten Material für eine halbe Stunde gehabt. Der Teaser für die eingedampfte Version:

Mehr als 11.000 Schüler besuchen in Deutschland Eliteschulen des Sports, dort soll Schulausbildung mit dem Leistungssport verbunden werden. Olympia ist das große Ziel, Medaillen für Deutschland. Deshalb arbeiten die jungen Menschen oft von morgens fünf bis abends um acht. Zeit zur Selbst-Reflexion bleibt da nicht. Fraglich ist zudem, wie effektiv die mit Steuergeldern finanzierte Schufterei überhaupt ist.

Insgesamt gibt es in Deutschland 41 Eliteschulen des Sports. Sie sind den Kinder- und Jugendsportschulen der DDR nachempfunden. Der Großteil der Schüler sind von Sportverbänden empfohlene Talente. Sie sollen später einmal Medaillen gewinnen. Dafür arbeiten sie oft von morgens um fünf bis abends um acht Uhr. Lernen, Prüfungen, Wettkampf und Training, oft auch Leistungsdiagnostik, um punktgenau fit zu sein. Den jungen Sportlern bleibt kaum Zeit, sich selbst und ihren Aufwand für den Sport kritisch zu hinterfragen. Auch Fragen nach einer Zukunft außerhalb des Sports haben wenig Platz.

Dabei zeigt die Statistik, dass die Wenigsten ihr großes Ziel später auch tatsächlich erreichen. Zudem ist die vom Steuerzahler finanzierte Schufterei Studien zufolge nicht einmal effizient. Wissenschaftler haben gezeigt: Je länger Olympiateilnehmer an einer Eliteschule des Sports waren, desto weniger erfolgreicher sind sie. Eine breite Diskussion über die Rolle der Eliteschulen gibt es nicht.

Ich stelle mir häufig die Frage, wie sich Journalismus in Zukunft finanzieren wird. Ich finde es wichtig, dass sich auch Journalisten diese Frage stellen – nicht nur Unternehmensberater und Geschäftsführer. Je größer der Einfluss von Reportern auf die Finanzierung von Medien ist, desto besser die Qualität des Journalismus.

Verleger haben Recherchen und aufwändige Reportagen nur zugelassen, weil sie ein Herz für Journalismus hatten. Überall dort, wo Gewinne optimiert werden sollen, wird die Qualität zusammengestrichen. Das ist immer häufiger der Fall.

Motivation statt Zwang zum Bezahlen

Ich bin sicherlich nicht der einzige, der für Journalismus bezahlt, weil er das Produkt gut findet. Ich habe zum Beispiel ein Abo des Spiegels (früher war es die Süddeutsche Zeitung). Nicht, weil ich den Spiegel von der ersten bis zur letzten Seite lese, sondern weil ich es gut finde, die hin und wieder sehr starken Recherchen mit meinem Abo zu unterstützen.

Ähnlich geht es mir im Netz. Häufig bezahle ich für Dinge, weil ich sie gut finde (die taz, eBooks, Kickstarter-Projekte). Fast nie bezahle ich für Dinge, weil ich dazu gezwungen werde. Irgendwie komme ich da auch kostenlos ran.

Gemeinsam mit Niklas Schenck habe ich in den vergangenen zwei Jahren viel zur Intransparenz der deutschen Sportförderung recherchiert, während der Olympischen Spiele in London haben wir die Medaillenvorgaben des deutschen Sports aufgedeckt. Für diese Recherchen sind wir jetzt mit einem Wächterpreis ausgezeichnet worden.

Mit dem Wächterpreis der Tagespresse werden Reporter ausgezeichnet, die „den Kampf um eine saubere Verwaltung aufnehmen, Übergriffe der Bürokratie oder anderer Machtgruppen recherchieren und darüber berichten und dabei ohne Rücksicht auf Namen und bestehende Verhältnisse Missstände schonungslos aufdecken“. Ich freue mich sehr über die Auszeichnung.

Die Jury des Wächterpreises begründet unsere Auszeichnung wie folgt:

Den zweiten Preis (8.000 Euro) erhalten die freien Journalisten Daniel Drepper und Niklas Schenck für ihre Artikelserie in den Zeitungen der WAZ – Gruppe. Ihre Recherchen brachten die intransparenten Praktiken bei der finanziellen Förderung des deutschen olympischen Sports ans Licht. Unter hohem persönlichem Risiko gelang es ihnen, die Missstände bei der sich demokratischer Kontrolle entziehenden Verteilung erheblicher Steuermittel durch das Innenministerium und des Deutschen Olympischen Sportbunds offenzulegen. Das führte zu einer vielbeachteten Debatte um das System der deutschen Sportförderung.

Der Preis wird am 3. Mai im Frankfurter Römer vergeben. Auf der Webseite ansTageslicht.de gibt es zahlreiche Hintergründe zum Preis, eine Liste der bisherigen Preisträger und eine Dokumentation der ausgezeichneten Recherchen.

Nebenan im Rechercheblog der WAZ haben Niklas Schenck und ich noch einmal sehr ausführlich unsere Recherche beschrieben und warum wir 451 Tage benötigten, um die Medaillenvorgaben öffentlich zu machen. Dort haben wir auch alle wichtigen Beiträge zum Thema verlinkt.

[Foto unter CC-BY-SA von johnnyLK via flickr.com]

David Kaplan is director of the Global Investigative Journalism Network, an association with 82 member-organizations in 38 countries. Kaplan lately published a report on the spread of non-profit organizations supporting investigative journalism: Their number rose to 106 organizations worldwide coming from just 39 five years ago. Kaplan thinks that more and more investigative reporting has to be done with the help of international cooperations. Smaller non-profits are adaptable and can afford the long-term view, says Kaplan. He would like to see the funding of such a news-org in Germany.

[I did a 12.000-character-report for the biggest German media magazine „journalist“. It’s about the chance to found and fund investigative non-profit newsrooms like ProPublica or the Center for Investigative Reporting in Germany, the legal situation and the political support. The report will be published in the upcoming issue, being published this Friday. The „journalist“ published on its website a short version of this interview in German and an interview with the media economist Marie Luise Kiefer.]

Until now there is no investigative non-profit reporting center in Germany. How do you fund a non-profit newsroom? Do you have any tips for Germany?
David Kaplan:
The bigger question is not about non-profits, it’s about new models and about how to increase the depth and the spread of investigative journalism around the world. What is the best we can do to support this kind of journalism, that is so essential to modern media, to society? We like to think of investigative reporters as the special forces of journalism: They are better trained, they go after harder targets, there are fewer of them and there is a lot of pressure, but they also have more impact. So: How do we preserve and expand this tradition?

The Daily Show reported on Kaj Larsen, the former investigative reporter of CNN who was fired and now works for the fictional HBO-series “The Newsroom”. Is investigative journalism in danger?
Kaplan:
We have more investigative journalism today than ever before in history. And despite problems with media economics in the US and Europe, there is a lot of exciting work being done and the growth of investigative reporting is exploding globally. We have investigative teams at news-organizations in India, China, Brazil, we’re seeing some terrific reporting take place in Africa. I recently went to Latin America to an investigative journalism conference. The stories I saw were world class, same level like in Europe or America. And much of this has happened in the last ten years.

It got rusty, but I didn’t forget it. Now that I read it I can’t believe it took me more than a year to look into it. I’m talking about „Story-based inquiry: a manual for investigative journalists“. Mark Lee Hunter is one of the best-known investigative reporters of the world. He published this 80-pages-long guide with funding of the UNESCO in 2011 [Update, 10.05 am: A first version was actually published back in 2009, thanks for the hint]. It’s the best thing I read about investigative journalism up to now. Read it, if you want to do serious journalism.