Die Lösung für das Dopingproblem

Was muss im Kampf gegen Doping passieren? Drei Soziologen haben fünf Empfehlungen notiert. Die dokumentiere ich hier. Dazu gibt's ein Interview als Podcast. Dritter und letzter Teil meiner Serie zur Dopingbekämpfung.


Eine Überwachung der WADA, alle Wettkampfkontrollen an die NADA, weniger Druck auf die Athleten und Verbände, mehr Einsatz von Medien und Sponsoren: Karl-Heinrich Bette hat gemeinsam mit Ansgar Thiel und Felix Kühnle einige Empfehlungen für einen besseren Kampf gegen Doping gegeben. Ja, die Überschrift ist überspitzt. Aber immerhin mal ein Ansatz für eine Diskussion.

In den ersten beiden Teilen meiner Mini-Serie zur Dopingbekämpfung in Deutschland habe ich über Fehler in der Dopingprävention geschrieben und mit Andreas Singler über die politischen Hintergründe des Dopingkampfes gesprochen.

Karl-Heinrich Bette habe ich vor ein paar Wochen in seinem Büro in der Darmstädter Magdalenenstraße besucht. Zwischen Umzugskisten und Büchern zur Soziologie des Dopings haben wir uns lange unterhalten. Einen kleinen Teil habe ich mitgeschnitten.

In dem Buch “Dopingprävention – Eine soziologische Expertise” haben Bette, Ansgar Thiel und Felix Kühnle “Empfehlungen zur Vorbeugung von Doping im Spitzensport” gedruckt. Die Studie ist vom Deutschen Leichtathletik-Verband angefragt und mit 20.000 Euro bezuschusst worden. Im Original sind die Empfehlungen am Ende des Buches 34 Seiten lang. Ich dokumentiere sie mit Genehmigung von Karl-Heinrich Bette in gekürzter Fassung.

“Wer sauberen Sport will, muss auf Medaillen verzichten”

Was läuft falsch im deutschen Anti-Doping-Kampf? Zweiter von drei Teilen meiner Mini-Serie. Heute: Interview mit Andreas Singler.


Dopingexperte Andreas Singler spricht im Interview (zum lesen und hören) über politische Hintergründe des Anti-Doping-Kampfes und erklärt, wie schädlich es ist, dass der deutsche Sport selbst im Jugendbereich schon eine konkrete Zahl von Medaillen fordert.

Singler arbeitet am Heidelberger Zentrum für Dopingprävention und ist Assistent der Freiburger Evaluierungskommission von Letizia Paoli zur Untersuchung des Dopings an der dortigen Uniklinik. In den vergangenen Jahren hat er gemeinsam mit Perikles Simon selbst ein Projekt beim Nationalen Dopingpräventionsplan beantragt. Es war bereits teilweise vom Land Rheinland-Pfalz vorfinanziert, wurde von der Steuerungsgruppe aber abgelehnt (mehr im Audio ab Minute 12:15). Ende 2011 erschien seine Studie „Dopingprävention – Anspruch und Wirklichkeit“, die Grit Hartmann damals im Deutschlandfunk besprochen hat. Anfang 2012 veröffentlichte Singler seine Doktorarbeit: „Doping und Enhancement“.

Das nur leicht gekürzte Gespräch zur Dopingprävention gibt es hier erstmals als 20-minütigen Podcast.

Für alle, die lieber lesen: Die etwas gekürzte, schriftliche Fassung:

Dopingprävention: Im Zweifel war’s der Sportler

Der Sport lädt die Schuld für Doping bei den Sportlern ab, sich selbst nehmen Funktionäre und Beamte aus der Verantwortung. Wie das? Das Innenministerium entscheidet, wer Geld für Anti-Doping-Projekte bekommt. Selbstkritik und Transparenz gibt es kaum.


Im Zweifel ist der Sportler Schuld, das Umfeld trägt keine Verantwortung. So funktioniert die Dopingprävention in Deutschland. Das ist falsch. Wer zu viele Informationen will, wird abgeblockt. Am morgigen Donnerstag reden Innenministerium, Sportbund, NADA und Bundesländer noch einmal darüber, ob sie mir mitteilen, wo die pro Jahr mehr als 300000 Steuereuro für die Dopingprävention hinfließen. Wie der Sport es bislang schafft, sich aus der Verantwortung zu stehlen: Der erste von drei Blogposts zum Thema.

Der Kampf gegen Doping hat unendliche Lücken. In Erfurt drehen sich die Dopingverfolger im Kreis (oder werden im Kreis geführt?), bei Dopingkontrollen ist nicht einmal ein Prozent positiv. Dabei legen Studien den Verdacht Nahe, dass ein Viertel bis die Hälfte aller deutschen Spitzensportler schon einmal gedopt haben. (Emrich und Pietsch, Doping in elite sports in Germany, Zusammenfassung als PDF)

Ich halte Prävention deshalb für wichtig. Sie ist eine Möglichkeit, das Problem ein wenig einzudämmen, ohne den juristisch unsicheren und extrem teuren Kontrollapparat weiter aufzublähen. Karl-Heinrich Bette hat gemeinsam mit Ansgar Thiel und Felix Kühnle für den Deutschen Leichtathletik Verband die Dopingprävention in Deutschland analysiert. 20000 Euro hat der DLV dafür ausgegeben, den Großteil der Arbeit haben die Soziologen aber selbst finanziert. Vor Kurzem ist die Studie als Buch erschienen.

Lehrauftrag: Was sollten junge Sportjournalisten lernen?

In diesem Semester soll ich angehenden Sportjournalisten etwas beibringen. Ich frage mich: Was ist guter Sportjournalismus? Was ist Pflicht, was Kür?


Zum Sportjournalismus habe ich viele Seminare an der Uni Dortmund besucht – und einige Jahre lang meine eigenen Erfahrungen gemacht. Jetzt gebe ich zum ersten Mal selbst ein Seminar, an der FH Gelsenkirchen. “Ressortjournalismus Sport”: Kommenden Dienstag geht’s los.

Netzwerk Recherche: Mit Sport im Programm

Es geht los, das Programm ist raus. Anfang Juni lädt das Netzwerk Recherche nach Hamburg. In diesem Jahr mit Sport. Ich kann nur jedem empfehlen, dabei zu sein.


Am 1. und 2. Juni ist in Hamburg die Jahreskonferenz des Netzwerk Recherche. Nachdem ich im letzten Jahr noch enttäuscht war, dass es nichts zum Sportjournalismus gab, ist diesmal alles anders. Einer der Schwerpunkte der Konferenz ist der Sport. Da ich ein bisschen bei der Organisation helfe, mache ich besonders gerne Werbung. Alle Sportjournalisten (und auch alle anderen): Kommt Anfang Juni nach Hamburg, es lohnt sich.

Es wird etwa eine Hand voll Veranstaltungen zum Thema Sport geben. Zum Wettskandal, zu Doping, zu Frauen im Sportjournalismus. Und Uli Hoeneß kommt. Im vorläufigen Programm finden sich aber auch viele andere gute Sachen.

Infos zu Doping im Fußball

Doping im Fußball wird selten thematisiert. Ich finde: Das sollte sich ändern - und freue mich deshalb über Hinweise zum Thema. Einige sind bereits gekommen, aber es geht weiter.

Ich habe hier zuletzt hin und wieder über Doping im Fußball geschrieben. Warum ich glaube, dass Doping im Fußball verbreitet ist und wie groß die Lücken bei Dopingkontrollen im Fußball sind. In den vergangenen Wochen habe ich mich mit Leuten getroffen, die sich mit dem Thema auskennen. Das werde ich weiter tun. In nächster Zeit sind einige Geschichten geplant. Zum Missbrauch von Schmerzmitteln, zu Dopingkontrollen, zu Dopingfällen, zu Doping im Amateurfußball.

Vielen Dank für die Infos, die wir über den anonymen Datei-Upload und das Mail-Postfach bekommen haben. Ich freue mich über jeden Hinweis. Besonders würde ich mich freuen, wenn mir jemand von persönlichen Erfahrungen berichtet. Gerne anonym und vertraulich. Jederzeit zu erreichen bin ich auch per Mail an daniel.drepper@gmail.com oder mobil unter +49 176 611 96 014.

Fußballdoping ist zudem bei Facebook und Twitter aktiv. Außerdem habe ich ein Google-Dokument angelegt, in dem wir gemeinsam möglichst viele Dopingfälle im Fußball zusammentragen. Das Dokument findet sich hier: bit.ly/dopinglistsoccer

Jonathan und Jens zu Gast: Interviewserie

Wer diese zwei Menschen inklusive der angebrachten Nerd-Kameras in Aktion sehen will, schaue folgendes Video. Ich habe über meine Arbeit gesprochen, mit Jonathan Sachse und Jens Peters.

Die beiden starten eine neue Interviewserie mit Journalisten und ich habe den Test-Dummy für Folge #0 gemacht. Ich habe versucht, mich bei Themen wie Recherche oder Twitter einigermaßen heil aus der Affäre zu ziehen. Wer mehr über die Idee der beiden befreundeten Kollegen wissen will, schaue bei jonathansachse.de und catenaccio.de vorbei. Die beiden freuen sich über Feedback.

Jean-Francois Tanda zur Akte ISL und FIFA-Intransparenz

Jean Francois Tanda kämpft seit zwei Jahren darum, Einsicht in Akten mit FIFA-Zahlungen zu erhalten. Bald soll es soweit sein. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Zahlungen öffentlich werden", sagt Tanda im Interview.


Sepp Blatter, Reformer der FIFA, das sollte sie wohl sein die große Botschaft bei der Pressekonferenz am Freitag in Zürich. Über das magere Ergebnis haben andere bereits geschrieben. Jens Weinreich war vor Ort, auch Roger Pielke hat Ankündigungen und Taten analysiert.

Wie wenig Interesse die FIFA an Transparenz hat, wird deutlich, wenn man sich den Kampf von Jean Francois Tanda ansieht. Der Schweizer Journalist kämpft seit zwei Jahren darum, Einsicht in Akten mit FIFA-Zahlungen zu bekommen. Es geht um die Sportrechte-Firma ISL, die allein von 1989 bis 2001 mindestens 140 Millionen Schweizer Franken Schmiergeld gezahlt hat; auch an hohe FIFA-Offizielle. Vor zwei Jahren gaben diese FIFA-Männer beim Staatsanwalt zu, Schmiergeld bekommen zu haben. Zusammen mit der FIFA zahlten sie damals 5,5 Millionen Franken, die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren am 11. Mai 2010 ein. Mehr Hintergründe dazu gibt es unter anderem im Blog von Jens Weinreich.

In der Schweiz nennt man diese 5,5-Millionen-Zahlung eine Wiedergutmachung. Der Schweizer Journalist Jean Francois Tanda beantragte wenige Wochen später, im Juni 2010, Einsicht in die Einstellungsverfügung. In der Verfügung sind mindestens die Zahlungen an Ricardo Teixeira und Joao Havelange zu finden. Weitere Belege für Korruption in der FIFA. Bis heute verhindert die FIFA die Veröffentlichung der Zahlungen. Ich habe mit Tanda über seinen Kampf gegen die FIFA gesprochen und darüber, wie schwer es ist, an harte Informationen zu kommen.

Sport an der Grenze zur Sucht – mein Erfahrungsbericht

Zehn Jahre Sport, immer mehr, immer schneller. Wo ist die Grenze zur Sucht? Macht mich Sport wirklich glücklich? Seit ich 15 Jahre alt bin, bin ich Läufer, später auch Triathlet. Mein Erfahrungsbericht, den ich für das vierte Print-Magazin der Ruhrbarone geschrieben habe.

Nicht schon wieder: Ein schrappendes Wummern, für mich ist das in diesem Moment das schlimmste Geräusch der Welt. 20 Meter, zehn Meter, fünf Meter – vorbei; dieser alte Sack fliegt in Richtung Ziel und mein Rad klebt auf dem rauhen Asphalt, als hätte ich gestern erst die Stützräder abgeschraubt. Und der nächste: Schrappen, wummern – vorbei. Ihr Zeitfahrmaschinen mit Scheibenrädern, ich hasse euch. Trotzdem habt ihr mir die Augen geöffnet.

Ich fahre durch die Felder von Horst an de Maas. Heute steigt in Holland die Europameisterschaft im Langdistanz-Duathlon: 15 Kilometer Lauf, 60 Kilometer Rad und zum Abschluss nochmal 7,5 Kilometer Lauf. Ich habe mich angemeldet, bevor ich wusste, dass es eine Europameisterschaft ist. Als ich davon erfuhr, dachte ich noch: Kein Problem, ich bin fit. 24 Jahre alt, voll im Saft, was soll schiefgehen?

Das bin ich: Illustration für meinen Sportsucht-Text

Ich habe einen Text geschrieben über mich, das Laufen und über Sportsucht. Einen Erfahrungsbericht darüber, was ambitionierter Sport mit mir gemacht hat.


Der Text über diese vermeintliche Sportsucht erscheint bald im vierten Ruhrbarone-Magazin (Thema: Grenzen). Ich werde ihn hier veröffentlichen. Die Illustration von Christoph Koester soll schon mal Lust machen. Koester schreibt: